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Drittes Kapitel. Das spanische Afrika.
Spanien unternahm in Afrika verhältnismäßig wenig, weil seine Bestrebungen hauptsächlich auf die Gründung großer Kolonialreiche in der neuen Welt und im fernen Osten, sowie auf Erwerbung von Besitz in Italien und Flandern gerichtet waren. Außerdem waren anfangs die spanischen Kolonien mit den portugiesischen politisch vereinigt. Aus diesen Gründen wird das Wenige, was über spanische Unternehmungen zu berichten ist, in dem kürzesten Kapitel dieses Buches zusammengefaßt werden können.
Am Schlüsse des 15. Jahrhunderts gingen die Spanier nach Vertreibung der Mauren aus Spanien dazu über, diese an der Nordküste Afrikas anzugreifen. Sie setzten sich fest zu Melilla 1 , Oran, Algier 2 , Bugia, Bona, Huneir, Susa, Monastir, Mehedia, Sfax und Goletta 3 . Die spanische Macht in Nordafrika erreichte ihren Höhepunkt um 1535, zu welcher Zeit Spanien mit den Türken abwechselnd die Berberstaaten beherrschte. Danach aber neigte sich der Sieg den türkischen Korsaren 4 zu und die Herrschaft der Spanier fing an ab-
1 Im Jahre 1490.
2 Auf dem die Stadt beherrschenden Felsen oder Penon, welcher 1509 von Kardinal Ximenes erobert und mit einer Garnison belegt wurde.
3 Wurde von den Spaniern von 1535 bis 1574 gehalten.
4 In kurzem Resume verlief die Geschichte der türkischen Intervention in der Berberei wie folgt: Um 1504 wurde Urui (Barbarossa I.) durch die Gerüchte von Schiffen, die mit Schätzen aus Amerika kommen sollten, nach dem westlichen Mittelländischen Meere gelockt. Er nahm 1516 Algier und 1517 Tlemsan, wurde aber von den aus Oran vorrückenden Spaniern geschlagen und getötet. Sein jüngerer Bruder Khaireddin (Barbarossa II.) wandte sich an die Türkei, welche gerade (1518) Ägypten erobert hatte, und erhielt vom Sultan Selim den Titel eines türkischen Beglerbeg von