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Geschichte der Kolonisation Afrikas durch fremde Rassen / von Sir Harry H. Johnston. Aus dem Engl. übers. von Max von Halfern
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Dreizehntes Kapitel. Die Italiener in Afrika.

ach Vernichtung der römischen Kultur in Afrika durch die Araber

hat sich Italien, wenn auch nicht als ganzes Land, so doch

durch einzelne italienische Staatswesen in bedeutendem Um­fange an der Erschließung dieses Erdteils beteiligt. Schon in frühester Zeit trat das kleine Fürstentum Amalfi mit den Sarazenen in Ver­kehr, wobei es seine Kenntnisse in der Navigation verbesserte und den Orangenbaum kennen lernte, der in Italien eine zweite Heimat finden sollte. Pisa, Genua und Venedig standen bald mit dem nörd­lichen Afrika in Handelsverkehr, bald führten sie gegen dasselbe Krieg. Pisa brachte 1622 Kamele nach Italien und noch früher, vielleicht schon im 13. Jahrhundert, führte Neapel den zahmen Büffel aus Ägypten ein. Sizilien wurde 832 n. Chr. von den Sarazenen völlig erobert und Sardinien war seit 712 mit einigen Unterbrechungen fünf Jahrhunderte lang im Besitz der Sarazenen, bis es endlich durch die Aragonier wieder befreit wurde. Sizilische und sardiniscbe Bene- gaten kommen infolgedessen in der Geschichte von Tunis, Tripolis und Algier häufig vor. Zwei italienische Staaten sind es indessen, welche sich vor der Zeit der Portugiesen durch ihre Handels­beziehungen zu Nordafrika besonders auszeichneten, nämlich Genua und Venedig. Genua hatte hauptsächlich mit der Küste von Tunis zu tun, wo es zeitweise Niederlassungen zu Tabarka und Bone besaß und gelegentlich auch Mehdia hielt. Venedig unterhielt während der Kreuzzüge und nach denselben ein freundschaftliches Verhältnis zu Ägypten und beherrschte auf diese Weise den indischen Handel so lange, bis die Portugiesen den Weg um das Gap der guten Hoffnung nach Indien entdeckten und benutzten. Von dieser Zeit ab schwand und erlosch der Handelsverkehr Italiens mit Afrika. Neapel und Sardinien waren noch mehrere Jahrhunderte lang den Bäubereien der