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Fünftes Kapitel. Der Sklavenhandel,
Sklaverei und Sklavenhandel brauchen nicht Gegenstand großen Abscheus oder Mitleids zu sein, so lange es sich um bloße Knechtschaft handelt, wenn sie zwischen Völkern derselben Rasse und derselben Religion und in Ländern stattfinden, die nicht zu weit von der Heimat der zu Sklaven gemachten entfernt sind. Dagegen läßt ein Dienstbarkeitsverhältnis zwischen sehr ungleichen Rassen Mißbräuche entstehen, welche selbst denen klar werden, die nicht gerade gefühlvolle Menschenfreunde sind.
Mehr als irgend ein anderer Menschentypus ist der Neger durch seine geistigen und physischen Eigenschaften zum Diener anderer Rassen ausersehen. Es gibt natürlich Ausnahmen von dieser allgemeinen Regel. So haben sich zum Beispiel Stämme wie die Kruneger an der Westküste, die Mandingo, die Wolof und die Zulu stets so widerspenstig gegen die Sklaverei gezeigt, daß man sie im allgemeinen in Ruhe gelassen hat. Die geringste Abweichung vom Negerstamme in der Richtung nach aufwärts scheint sogar, wie es bei den Galla und Somali der Fall ist, entschiedene Freiheitsliebe zu erzeugen. Aber im allgemeinen ist der Neger ein geborener Sklave. Er besitzt große Körperkräfte und Gelehrigkeit, ist zu Frohsinn geneigt, hat ein kurzes Gedächtnis für Sorgen und Grausamkeiten und wird durch Freundlichkeit und gerechte Behandlung leicht zur Dankbarkeit bewogen. An übertriebenem Heimweh, welches manche Völker befällt, wenn sie ihrer Heimat entrissen werden, hat er nicht zu leiden, und falls er gut genährt wird, ist er leicht zufriedengestellt. Vor allem Johnston-v. Halfern, Kolonisation Afrikas. 6