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Erstes Kapitel.
Mittelmeerländische, malayische und mohammedanische Eindringlinge.
I las Thema dieses Buches betrifft ausgesprochenermaßen mehr das Eindringen und die Niederlassung der fremden Nationen in Afrika als die Wanderungen solcher Völker, welche in ihren gegenwärtigen Typen Eingeborene dieses Erdteils sind. Nichtsdestoweniger wird es zweckmäßig sein, diese geschichtliche Skizze der afrikanischen Kolonisation mit einigen Bemerkungen zu beginnen, welche über den Zustand und die Bewohner des Erdteils vor der geschichtlichen Einwanderung fremder Völkerschaften Aufschluß geben, soweit ein solcher durch indirekte Beweise gegeben werden kann.
Es ist wohl nahezu sicher, daß das Menschengeschlecht in Asien entstand und aller Wahrscheinlichkeit nach kamen daher die ersten Menschen, welche in Afrika einzogen, von dort her. Sie folgten den Spuren jener großen Säugetiere, welche gegenwärtig die auffallendsten Gestalten der afrikanischen Tierwelt bilden, vor Ende der Tertiärzeit aber noch unbekannt in Afrika waren. Später, aber auch noch in vorgeschichtlicher Zeit, fanden zweifellos Einwanderungen europäischer Menschen von der Nordseite des Mittelländischen Meeres her statt, und wahrscheinlich kamen auch entgegengesetzte Rassenbewegungen vom Norden Afrikas nach dem südlichen Europa vor. Die Hauptmasse der afrikanischen Bevölkerung des ursprünglichen Typus (die Urbevölkerung) scheint indes von Indien aus nach Arabien und von hier aus nach dem nordöstlichen Afrika gelangt zu sein. 1
1 Die Geologen sind anscheinend noch geteilter Ansicht darüber, ob in der Tertiärzeit zwischen dem südlichen Afrika und dem südlichen Asien eine Landverbindung bestand oder nicht. Es liegt daher die Vermutung näher, daß das flache Rote Meer zu Zeiten bis auf eine Reihe von Salzseen zurückgegangen war und daß die ersten Menschen über die zwischen diesen Seen befindlichen Landstrecken einen Weg nach Afrika fanden. Johnston-v. Halfern, Kolonisation Afrikas. 1