91
Sechstes Kapitel. Die Briten in Afrika. I.
An der Westküste, in Marokko und im nördlichen Zentralafrika.
chon in den frühesten Zeiten der portugiesischen Monarchie bestanden freundschaftliche Beziehungen zwischen England und Portugal. Ein großes englisches Kreuzfahrerheer hatte im 12. Jahrhundert dem ersten Könige von Portugal geholfen, Lissabon den Mauren zu entreißen. Später heiratete ein portugiesischer König die Tochter Johanns von Gaunt, des Herzogs von Lancaster, so daß seine Söhne, deren einer der große Prinz Heinrich der Seefahrer, von Blut halb englisch waren. Diese freundschaftlichen Beziehungen waren ohne Zweifel zum Teil der gemeinsamen französischen Abstammung der Herrscherhäuser heider Länder zuzuschreiben.
Als sich daher in England die Wirkung der portugiesischen Entdeckungen durch die Ausdehnung des Gewürzhandels, der bisher ein Monopol Venedigs gewesen war, sowie durch die großen Gewinn bringende Sklavenausfuhr von Afrika nach den amerikanischen Plantagen bemerkbar machte, waren britische Seefahrer und Abenteurer die ersten, welche den Pfaden der Portugiesen folgten. Diesen erschien anfangs der Handel mit Gewürzen verlockender als der mit Gold oder Sklaven. Sie bedienten sich in der ersten Zeit auch portugiesischer Schiffe, um nach Westafrika zu gelangen, und wagten es erst später, mit ihren eigenen kleinen Fahrzeugen'dorthin zu segeln. Auf diese Weise kamen zuerst frühzeitig im 16. Jahrhundert einige Engländer in Begleitung von Portugiesen nach Benin. Da indes die Portugiesen den westafrikanischen Handel gern zu ihrem Monopol gemacht hätten, so wurde das Erscheinen der Engländer von ihnen mit Mißgunst betrachtet, und die freundlichen Beziehungen beider