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Geschichte der Kolonisation Afrikas durch fremde Rassen / von Sir Harry H. Johnston. Aus dem Engl. übers. von Max von Halfern
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Elftes Kapitel. Das belgische Afrika.

In dem vorhergehenden Kapitel ist bereits erwähnt worden, daß der König der Belgier aus Interesse für die geographische For­schung Stanley mit einer bedeutenden Expedition nach dem Congo entsandte. Aus der von dem Könige ins Leben gerufenen inter­nationalen afrikanischen Gesellschaft entstand 1879 das Komitee zur Erforschung des oberen Congo (Comite d'etudes du haut Congo), welches auf den Gedanken kam, daß Stanley mit den hervorragendsten Häuptlingen des Congobeckens im Namen des Komitees Vorträge ab­schließen solle, durch welche die Häuptlinge zu einer Art Bündnis zum Zwecke gegenseitiger Unterstützung, sowie zur Zulassung der vom Komitee hinausgeschickten Händler, verpflichtet werden sollten. Über diesen Bund wollte das Comitee die Oberherrschaft ausüben. Stanley scheint der Meinung gewesen zu sein, daß die Schutz­herrschaft über den mittleren Congo nach und nach in britische Hände übergehen würde, und bis 1884 dachten auch wohl wenige daran, daß der König der Belgier sich selber zum Souverän des Congo machen würde. Zu Anfang der 80 er Jahre hatte am Congo eine Art von Duell zwischen Engländern und Franzosen stattgefunden, in welchem de Brazza die französischen und Stanley die englischen Interessen vertrat. Als dann der britischen Regierung klar wurde, daß der König Leopold nur das Interesse Belgiens vertrat, beschloß sie auf alle Fälle mit Portugal zu einem Abkommen über den unteren Congo zu gelangen. Der hierfür entworfene Vertrag von 1884 kam jedoch nicht zu stände. Frankreich und Deutschland erblickten in diesem Vertrage die Einleitung zu der britischen Schutzherrschaft über den Congo und vereinigten sich zu gemein­schaftlichem Einspruch. Die aus dieser Veranlassung nach Berlin einberufene Konferenz zur Regelung der afrikanischen Angelegenheiten