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Neuntes Kapitel. Die Briten in Afrika. II.
In Südafrika und im südlichen Zentralafrika.
Schon seit einigen Jahren hatte England auf das Cap der guten Hoffnung, die Verproviantierungsstation für seine Schiffe auf dem Wege nach Ostindien, welche nicht mehr lange in Besitz der schwachen holländischen Kompagnie bleiben konnte und nicht in die Hände der Franzosen fallen durfte, verlangende Blicke geworfen, als es 1795 mit Genehmigung des Prinzen von Oranien eine starke Expedition dorthin entsandte und nach einem kurzen Zusammenstoße mit den Lokalbehörden Besitz von Capstadt ergriff. Der an Stelle des drückenden Monopols der alten holländischen Kompagnie sofort eingeführte Freihandel, der britischen Gütern nur geringe Vorteile einräumte, sowie andere liberale Maßnahmen würden die holländischen Kolonisten bald mit der britischen Herrschaft ausgesöhnt haben, wenn nicht England 1803 das Capland im Frieden von Amiens der holländischen Republik zurückgegeben hätte, und in den nun folgenden drei Jahren unmittelbarer holländischer Herrschaft unter einsichtigen Gouverneuren die Erinnerung an die mit Becht verhaßte Wirtschaft der ostindischen Kompagnie ziemlich verwischt worden wäre. Als daher 1805 Großbritannien die Verwaltung der Capkolonie mit der Absicht, sie dauernd zu behalten, wieder übernahm, fand es entschiedeneren Widerstand als vorher, und selbst als 1814 Holland die Kolonie ganz abgetreten hatte, blieb unter den holländischen Ansiedlern noch eine gewisse Lauheit und die Neigung bestehen, an den Handlungen und Beweggründen der Kolonialregierung und des britischen Volkes etwas auszusetzen. Die Capkolonie hatte 1806, als sie endgültig unter britische Botmäßigkeit kam, einen Flächeninhalt von ungefähr 325000 qkm. Die Grenze im Osten bildeten der große Fischfluß und eine von dort