131
Achtes Kapitel. Die christlichen Missionen.
'enn ich in meinem Werke mehr auf dramatische Wirkung als
auf geschichtliche Anordnung bedacht gewesen wäre, so hätte
ich dieses Kapitel als ein wirkungsvolles Pendant unmittelbar auf dasjenige vom Sklavenhandel folgen lassen. Denn wie Europa einerseits durch den Sklavenhandel Afrika großes Unrecht zufügte, so sandte es ihm andererseits durch die Mission eine Schar hochherziger Männer zu, die fast alle aus edlen, selbstlosen Beweggründen handelten, um seine Bewohner aus tierischer Unwissenheit zu höherer Gesittung zu erheben. Und wie die Engländer die größten Sünder von allen Weißen waren und den Sklavenhandel im größten Umfange betrieben, so haben sie sich auch das Verdienst erworben, alle andern Nationen im Missionswerk bei weitem zu übertreffen.
Die Portugiesen waren die erste europäische Nation, welche Missionare nach Afrika entsandte, die dort sehr eifrig und mit wenigen Ausnahmen auch in völlig anerkennenswerter Weise wirkten. Die frühesten portugiesischen Expeditionen nach Afrika wurden meistens von Priestern und Jesuiten begleitet. Es fuhr wohl- kaum ein Forscher oder Eroberer aus ohne Priester, welche das Kreuz errichteten und das Christentum verkündeten, sobald sie den Fuß an das Land gesetzt hatten. In meinem ersten Kapitel über die Portugiesen in Afrika habe ich die 1491 erfolgte Einführung des Christentums im Congolande bereits erwähnt. Unglücklicherweise nimmt jede Rasse von reiner Negerabstammung das Christentum zwar sehr leicht an, gibt es aber auch ebenso leicht wieder auf. Mit Ausnahme der mohammedanisierten lassen sich alle Neger willig bekehren, verfallen aber schnell wieder in groben Aberglauben und geben dann oft nicht nur jede Religion auf, sondern auch noch ihre früheren einfachen, aber gesunden Begriffe von Recht und Unrecht. Das Christen-
9*