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Zwölftes Kapitel. Die Briten in Afrika. III.
Ägypten und Ostafrika.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts, als es die Franzosen aus Ägypten vertrieb, trachtete England beständig nach der Herrschaft über jenes Land. Die Ursache dieses Verlangens war leicht ersichtlich, denn über Ägypten führte der kürzeste Weg nach Indien. Schon bevor der Suezkanal vorhanden war, konnte man von Alexandrien am Mittelländischen Meere in dreitägiger Landreise oder eintägiger Eisenbahnfahrt nach Suez am Roten Meere gelangen. Vor 120 Jahren, zur Zeit der Regierung Ludwigs XIV. und vor 100 Jahren, während des Entstehens des napoleonischen Reiches, als es noch keine Dampfschiffe gab, betrachtete man Ägypten als die Hintertür oder die Gartenpforte von Indien. Nachdem aber Dampfschiffe und Eisenbahnen in Gebrauch gekommen waren, brachte der Weg über Ägypten im Vergleich zu der dreimonatlichen Reise um das Gap der guten Hoffnung eine derartige Zeitersparnis, daß es selbst britischen Staatsmännern klar wurde, der britische Einfluß müsse in Ägypten die Vorherrschaft oder sogar ausschließliche Geltung erlangen.
Nach dem Rückzüge der Franzosen war in Ägypten ein einfacher Major der Artillerie aus der europäischen Türkei, Mohammed Ali, zur Herrschaft gelangt und zwar durch ein Verfahren, welches 80 Jahre später von Arabi Pascha getreulich nachgeahmt wurde. Mohammed Ali hatte die ägyptischen Truppen derartig in seiner Hand, daß er 1806 und 1807 eine britische Armee abschlug, welche den Versuch machte zu landen, um Ägypten in Resitz zu nehmen. Wahrscheinlich veranlaßte er hierdurch eine Verzögerung der Resetzung durch die Briten, welche damals weit schneller als heute zu einer Annexion geführt haben würde, auf 76 Jahre.