XIII.
Die Flora von Madagaskar.
Welche Fülle und welchen Artenreichthum die Vegetation auf unserer Erdoberfläche erlangen kann, dafür gibt die Flora der großen afrikanischen Insel wohl ein sprechendes Beispiel, und wer diese Vegetationsbilder nicht allein an der Küste, sondern auch im Innern mit eigenen Augen geschaut hat, dem müssen sie wohl einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen.
Ein tropisches Klima, eine oft überreiche Bewässerung und eine mächtige, äußerst fruchtbare Humusdecke schaffen die denkbar günstigsten Vegetationsbedinguugen.
Kein Wunder, daß diesem Boden an vielen Stellen eine Flora entsprießt, welche nach dem Urtheil eines gewiegten Kenners der Tropen wohl die gewaltigste unserer Erde ist.
Freilich ist diese Fruchtbarkeit des Bodens nicht überall zu finden. Es gibt im Innern ausgedehnte und wenig fruchtbare Steppen, im Süden und ebenso im Norden der Insel findet man trostlose und vegetationsarme Einöden; aber die tiefer liegenden Gebiete der Ostküste, theilweise auch die Westküste, weisen eine wahrhaft imposante Pflanzenwelt auf.
Wie die Insel nach allen Richtungen durchaus originell ist, so besitzt auch die Flora ungcmein viele eigenartige Formen, und durch das scharfe Hervortreten gewisser Charakterpflanzen kann man unschwer einzelne Florengebiete unterscheiden.
Der Küstensanm ist zwar fruchtbar, aber er hat noch kein eigentlich madagassisches Gepräge, sondern er beherbergt in großer Zahl jene halbkosmopolitischen Pflanzenformen, welche im Küstengebiet der ganzen Tropenwelt zu Hause sind und deren Heimat sich daher nur schwer bestimmen läßt. Einrichtungen mannigfacher Art und namentlich auch