IV.
Das Thierlebelt am tropischen Seestrandt.'
Ter Meeresarm, welcher sich als Erythräische See oder Arabischer Golf vom Indischen Ocean her über die Tropen hinaus bis zum dreißigsten Grad nördlicher Breite erstreckt, nähert sich unserem europäischen Kontinent so sehr, daß man sich eigentlich wundern muß, warum die Naturforscher die dargebotene Hand nicht häufiger ergreisen und verhältnißmäßig selten iu diese Regionen wandern. Gibt es doch hier noch so viele Probleme des organischen Lebens zu löseu.
Allerdings hat schon im vorigen Jahrhundert Forskal diese Gebiete besucht, in den zwanziger Jahren Ehrenberg reiche Ausbeute gehalten, in der Neuzeit habeu Häckel, Kluuzinger und andere das reiche Leben des Rothen Meeres verfolgt; allein viel fernere Gebiete der Oceane find dennoch besser bekannt.
Aber an Ort und Stelle findet man doch viel mehr Schwierigkeiten, als man erwartet, und man darf nicht glauben, daß der Einzelne so leicht die Früchte dieser tropischen Hesperidengärten pflückt. Die Arbeit ist oft sauer genug, und im Anfang steht man oft rathlos vor den schönsten Gegenständen.
Am Seestrande einige schöne Korallen oder Schnecken zusammenlesen, ist noch keine Naturforfchung.
Ja es gab eiue Zeit, wo das Auffinden neuer Formen das höchste Ziel der Zoologen war, wo man den Forscher nach dem Quantum von Bestien taxirte, welche er mit neuen Namen versah; aber das sind glücklich überwundene Zeiten. Ein bloßes Zusammenlesen von Natnrkörpern betrachtet man nicht mehr als Naturforschnng, so wenig als man ein Memoriren von Vokabeln als Sprachforschung bezeichnet, und jedes Einzelproblem, das man heute zu lösen beabsichtigt, erfordert einen umfangreichen Vorrath vou Hülfsmitteln. Man hat zahlreiche Instrumente, sogar einige Litteratur mitzubringen.'