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Reisebilder aus Ostafrika und Madagaskar / von Conrad Keller
Entstehung
Seite
17
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II.

Thiergeographische Ergebnilse im Zuez-Kanal.

Eine hohe Kultur hatte sich schou im Lande Aegypten entwickelt, als der schaffende Menscheugeist im alten Hellas noch schlummerte uud die Geschicke der abendländischen Völker noch im Reiche der Mythe spielten.

Von Kindheit auf sind wir daran gewöhnt, in der Geschichte dieses ehrwürdigen Landes weniger an das geräuschvolle Geklirr der Waffen zu denken, als vielmehr an ein Volk mit merkwürdigen staatlichen In­stitutionen, an die zähe Ausdauer riesiger Menschenmasfen, dereu Zu­sammenwirken! unter dem Druck ihrer Herrscher gigantische Denkmäler der Baukunst schuf.

Wir denkeu an die mächtigen Jsistempel, an die seltsamen Sphinxe, an die kühnen Obelisken mit ihrer geheimnißvollen Hieroglyphenschrift, wir denken zu allererst an die gewaltigen Pyramiden, welche dein Zahn der Zeit auf ewig zu trotzen scheinen.

Aber nicht allein die graue Vorzeit schuf auf diesem Boden staunend werthe Zeugen menschlicher Kunst als ob der klassische Boden Aegyvtens providentiell für große Schöpfungen ausersehen sei, fügte dort auch die neueste Zeit ein staunenswerthes Werk hinzu. Es ist der Suez-Kanal, die größte menschliche Leistung des neunzehnten Jahrhunderts.

Werfen wir einen Blick auf die Karte, so scheinen allerdings die beiden Erdtheile Asien und Afrika nur durch einen schmalen Streifen Landes miteinander verbunden. Heute fahreu Jahr für Jahr Tausende durch deu Isthmus und finden es ganz vernünftig und natürlich, daß man hier eine Weltstraße für den Verkehr gebaut hat.

Es ist aber noch nicht allzulange her, da schwebte man in Europa zwischeu Furcht uud Hoffuuug, ob diese Unteruehmuug je glücklich zu Ende geführt werde.

Kcllcv, Rl'iscbilder aus Ostafrika und MadngaSÜN'. 2