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Vor Buea.
Die Tiroler von Lomerun.
Wir sind von Mapanja über Lecumbi in nördlicher Richtung immer höher gestiegen und stehen jetzt auf einer grünen Wiesenterrasse. Auf der einen Seite derselben fällt der büschige Abhang zum Thal ab, auf der anderen überragt das mit Gras bewachsene steile Gebirge den schmalen Waldrand. In der Mitte der Alm ziehen sich von Bäumen beschattet und von bestellten Feldern umgeben, stundenlang kleine anmutige Hausgruppen. Vor uns aber auf der Wiese grasen weiße, braune und scheckige Kühe. Sie sind nicht von der kleinen verkümmerten Rasse an der Küste, die weder Milch noch Fleisch gibt, sie sind kräftig gebaut, haben volle Euter und erinnern an die Algäuer Rasse. Ja, wie das Vieh auf der Alm daheim sind sie mit Schellen versehen, nur daß diese nicht aus Erz bestehen, sondern aus Schalen getrockneter Kürbisse verfertigt sind.
Unwillkürlich erinnert uns dieser Anblick an die Landschaften im bayerischen Hochland oder in Tirol und wir sind gespannt darauf, die Bewohner selbst kennen zu lernen.
Wären wir im Januar 1885 mit Hugo Zoeller hier gewesen, so hätten wir an einem Volksfeste teilnehmen können, das uns auch tirolisch vorgekommen wäre.
Lustig schallten die Signaltrommeln durch Wald und Hang und riefen die zerstreuten Leute von Buea (sprich Bea), dem über 800 Meter hoch gelegenen Bakwiridorfe, der höchsten Ansiedlung des Kamerungebirges, zusammen. Auf einem abgegrenzten Platze vor dem Dorfe saßen Zoeller und die beiden Schweden und neben ihnen waren baumwollene und geringwertige seidene Zeuge ausgestellt; mit funkelnden Blicken musterten die stämmigen Bakwiri diese Kostbarkeiten; denn sie stellten Preise dar, welche den Siegern in dem nationalen Ringkampfe, Fla-Fla, zufallen sollten.
Buea zählt an 2000 Einwohner und einige hundert derselben hatten sich versammelt, um dem Spiele zuzusehen. Es hatte besonderen Reiz, denn der stärkste Träger Zoellers,