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Viehseuchen.
Fleisch und Milch, er schickte seine Frau zu den ackerbautreibenden Männern und ließ dort Gemüse einkaufen. Er kaute Tabak und war in Freundeskreisen bei Bier und Met ein lustiger Zecher. Den Händlern gegenüber, die er früher ausplündern wollte, war er jetzt ein höflicher Mann, und um sie von seiner freundlichen Gesinnung zu überzeugen, bespuckte er sie und ließ sich von ihnen bespucken. Auf Reisen zu seinen Freunden und in müßigen Beschäftigungen brachte El-Moran den Rest seines Lebens hin, indem er eine Brüt von Viehräubern großzog. Dann starb er und ein neuer El-Moran, sein Aeltester, zog in den Kraal ein.
So ist das Leben eines echten Massai beschaffen, der mitten in dem Völkergewirr Afrikas seine Eigenart und sein Heidentum bewahrt hat.
Glücklicherweise ist nicht allen Massaihorden das Glück so günstig, wie es der Horde El-Morans war. Viele wurden im Laufe der Zeit schwer heimgesucht. Landsleute, die stärker waren, halten ihnen die Herden geraubt, oder dieselben wurden von Viehseuchen vernichtet. Da mußten die Massai in bitterer Not ihre Lebensweise wechseln, sie mußten das Land bebauen, pflanzen und ernten, und sie wurden dadurch friedliebend und ausgezeichnete Menschen.
Ihre glücklicheren Stammesgenossen blicken auf diese Herabgekommenen mit Verachtung und nennen sie Wakuafi, der europäische Reisende meint aber, daß die Wakuafi auf einer viel höheren Kulturstufe als die Massai stehen, meint auch, daß sie selbst glücklicher sind als die Räuber, und wünscht im stillen zum Heil des schönen Massailandes, daß die Götter die Viehherden der räuberischen Nomaden vertilgen möchten.
Das Paradies von Ostafrika.
Was ist denn Taweta, von dem wir bereits so oft gesprochen haben? Wenn wir die Spitze eines Berges besteigen und aus der Vogelperspektive einen Blick auf dasselbe werfen würden, so würden wir folgendes erfahren: Taweta besteht aus einer Bodensenkung an der südöst-