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Der Kältedämon.
von den Palmen zum ewigen Schnee.
Von der fieberschwangeren Küste, durch die glühendheiße Njika, durch das Paradies von Taiveta sind wir bis jetzt gewandert, um auf dem herrlichen Sockel des Schneeberges das eigenartige Volk von Dschagga und seine raubgierigen und uns doch so heiter stimmenden Fürsten kennen zu lernen. Wir nehmen nunmehr Abschied von den bienenkorbähnlichen Hütten, von unseren Milch- und Honiglieferanten, wir schütteln Mareale die uns dargebotene Hand, um höher zu steigen, das afrikanische Hochgebirge kennen zu lernen. Wir wissen wohl, daß uns dort oben kein gastlicher Empfang erwartet; in jenen Höhen, zu denen unser Auge emporschaut, wohnen keine Menschen mehr, in jenen Wäldern, die den grünen Berggürtel bilden, schweifen nur Jäger umher, die dem Büffel nachstellen, über diese hinaus auf die grasbestandenen Hänge wagt sich nur die Antilope und der kletterkundige Elefant, dann verstummt in größeren Höhen auch der Vogelgesang und das Krächzen der Raben und der Schrei des Habichts; dann erlischt auch das Pflanzenleben, das uns zuletzt noch durch gelbe und violette Blumen erfreut, dann beginnt die Region des Todes, der ewige Schnee und das ewige Eis, welche den einst glühenden und donnernden, flammenspeienden Krater füllen, die tote Welt, in der nur der Sturmwind sein Lied heult.
Das wissen wir alles, und mit ernster Stimmung erfüllt uns jetzt der Blick zur Höhe, und ernst gestimmt sind auch unsere Genossen, die braunen Burschen, die von der feuchtwarmen Küste bis hierher mit uns gezogen sind. Sie wissen, daß auf diesem Berge (Kilima) der Ndscharo, der Dämon haust, welcher die Kälte bringt, und in ihrem Kopfe spuken hundert Geschichten von den Zauberkräften, welche die dort funkelnde und glänzende weiße Medizin birgt, welche jetzt der weiße Mann holen will. Sie haben hier eine neue Welt gesehen. Am Fuße des Berges, am ersten kühlen