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Deutsch-Ostafrika : Geschichte der Gründung einer deutschen Kolonie / von C. Falkenhorst
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Die bittere Wildnis.

und sind dadurch mißtrauisch geworden. Und mit Recht, denn die Zeiten sind noch nicht lange vorüber, wo ihre Dörfer von Menschenraubenden Horden niedergebrannt wurden uud sie sich gezwungen sahen, die freundlicheren Thäler zu verlassen und im Gebirge Zuflucht zu suchen. Unter einer starken Regierung, die ihnen Schutz gewährt, werden sie wohl für die Kultur zu gewinnen sein, da sie an Ackerbau bereits gewöhnt sind. Aber der Pflanzer wird hier noch eine geraume Anzahl von Jahren die Flinte stets in Bereitschaft halten müssen, denn ringsum bedrohen räuberische Stämme, die wir noch näher kennen lernen werden, die Gegend, und schon in den ersten Zeiten ihres Bestehens mußte sich die Station Mpwapwa gegen Uebergriffe der Massai wehren.

Doch verlassen wir Usagara, um auf gewohnten Kara- wanenwegen das deutsche Hinterland aufzusuchen.

Agogo.

Die Karawanen, die Mpwapwa verlassen, wissen, daß sie in kein Gelobtes Land ziehen. Sie versorgen sich reichlich mit Lebensrnitteln und füllen ihre Kalebassen mit Trink- wasser. Ja, es ist beinahe ein Wüstenmarsch, auf den sie sich rüsten. Zwei Tagemärsche lang dehnt sich hinter Mpwapwa eine Wildnis aus, in der zwar keine Sanddünen wie in der Sahara sich auftürmen, in der es ein Dickicht voir Dornsträuchern und auch Zebras und Antilopen gibt, in der aber die Brunnen von bitteren Quellen gespeist werden. Alle Bäche sind während der Trockenzeit versiegt und nicht allein der Durst lauert hier den Reisenden auf; diese Wildnis ist das Stelldichein von allerlei Raubgesindel. Vom Norden her kommen die Massai, vom Osten die Räuber der Wasagara in die Marenga Mkali; der Süden entsendet die Raubritter der Warori und vom Westen her kommen die Wagogo hierher. Alle haben dabei nur den einen Zweck im Auge, die Karawanen in: nächtlichen Dunkel zu über­fallen und sie zu plündern, die Räuber verschwinden in dem Dunkel der Nacht und in den unzugänglichen Dschungeln.