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Kolonialpolitik : mein politisches Vermächtnis / von W. H. Solf
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sitzungen, das dieses wichtige Produkt, das bisher zum guten Teil nach Deutschland ging, der englischen Industrie sichern soll, den praktischen Anfang gemacht. In dem Programm des Wirt­schaftskrieges spielt die Ausschließung des deutschen Handels von den feindlichen Kolonien eine wichtige Rolle. Gegenüber solchen Bestrebungen halten wir das Banner der Handelsfreiheit für alle Nationen aufrecht und werden alles daransetzen, es im Friedensvertrag zur Anerkennung zu bringen. Wir folgen damit den besten Traditionen der modernen englischen Kolonialpolitik und arbeiten für die Sicherung des Weltfriedens. Die Ab- schließung der Kolonien für die mutterlandischen Interessen führt nicht zu einem Zustande der Weltberuhigung und des Interessenausgleichs, der die Voraussetzung für die Dauerhaftig­keit des Weltfriedens ist, sondern zu Beunruhigungen und Kon­flikten. Die koloniale Handelspolitik kann nicht ohne weiteres nach denselben Grundsätzen geführt werden wie die der Mutter­länder. Diese sind völlig frei in der Ordnung ihrer wirtschaftlichen Außenbeziehungen. Bis zu einem gewissen Grade kann man dasselbe sagen von Siedelungskolonien mit starker weißer Bevölkerung. Dagegen läßt sich die Abgrenzung der tropischen Kolonien innerlich nur rechtfertigen, wenn sie auch den Nicht- staatsangehörigen offen gehalten werden. Das ist von den weit­sichtigen englischen Politikern früher immer anerkannt worden.

3. Kulturelle Gemeinschaftsarbeit in den Kolonien.

Die offene Tür soll aber nicht nur für die wirtschaftliche, sondern auch für die kulturelle Bctätigung gelten. Ich denke dabei hauptsächlich an die Arbeit der Missionare. Es ist bekannt, daß

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