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Kolonialpolitik : mein politisches Vermächtnis / von W. H. Solf
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IV. Zukunftsforderungen.

1. Gerechte Verteilung der Kolonialgebiete.

Mit Englands Gedanken, uns für kolonialpolitisch rechtlos erklären zu wollen, bliebe der Wunsch und die Hoffnung nacb dem gemeinsamen Aufbau der kolonialen Zukunft, auf die Neuschaffung der verlorenen idealen Werte eine Utopie! Es bliebe der Krieg im Frieden, d. h., auf Afrika angewandt, es bliebe das bisherige System eifersüchtigen Wettbewerbs der Kolonialmächte, unter dem die Entfaltung der produktiven Kräfte des Landes und der Aufstieg der Eingeborenen naturnotwendig gelähmt wird. Unter diesen Voraussetzungen würde Afrika nicht den allseits ersehnten Dauerfrieden sichern helfen, sondern im Gegenteil weiterhin gefährliche Reibungsflächen bieten, an denen sich nur zu leicht ein neuer Weltbrand entzünden kann.

Zu dem Bilde Afrikas, wie es mir vorschwebt, brauche ich hellere und freundlichere Farben. Die unerfreulichen und pessimistischen Gedanken, die uns die Haltung Englands während des Krieges förmlich aufdrängt, mache ich mir nicht zu eigen. Wir brauchen einen Umschwung in allen Ländern zu den besten Aspirationen der Vergangenheit, und ich darf denjenigen für einen unver­besserlichen Pessimisten erklären, der einen solchen Umschwung nicht auch in England für möglich hält: Der Umschwung muß und er wird kommen!

Wenn ich also im folgenden die afrikanische Zukunft schildere, wie ich sie mir denke und wie Deutschland sie sich wünschen muß, nicht nur um Deutschlands, sondern um der Menschheit willen, so setze ich dabei immer voraus, daß schließlich in allen Ländern, die weltpolitischen Grundgedanken zur Herrschaft kommen, mit