drängen, unsere Schutzgebiete zurückzufordern. Denn volle wirtschaftliche Freiheit können nur eigene Kolonialgebiete gewährleisten. Wenn man vor etwa zehn Jahren noch in einem sozialdemokratischen Flugblatt las: „Es ist, volkswirtschaftlich betrachtet, ein Unsinn sondergleichen, Produkte teurer selbst zu erzeugen, die man billiger und besser vom Ausland kaufen kann. Solange wir Geld haben, wird uns das Ausland mit Freuden seine Produkte verkaufen", so wird es heute kaum einen Sozialdemokraten geben, der angesichts des Vernichtungswillens unserer Gegner dem Inhalt dieses Flugblatts zustimmt.
3. Koloniale Landwirtschaft.
Die kolonialwirtschaftlichen Hauptaufgaben, die im Interesse der heimischen Wirtschaft und der weltwirtschaftlichen Befruchtung zu leisten sind, liegen auf dem Gebiete der kolonialen Landwirtschaft, der wir unsere Aufmerksamkeit daher etwas eingehender widmen müssen. Waren die Mengen an tropischen und subtropischen Erzeugnissen, die wir aus unseren Kolonien bezogen, auch noch verhältnismäßig klein, sie sprachen doch schon bei der Versorgung unserer Bevölkerung und unserer Industrie mit. Nachdem Deutschland vom reinen Agrarstaat zum gemischten Agrar-, Industrie- und Handelsstaat geworden war, konnte die heimische Scholle allein die angewachsene Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren und seine stark entwickelte Industrie nicht mehr genügend mit landwirtschaftlichen Rohstoffen versorgen. Wir mußten trotz des Aufschwungs unserer Landwirt- chaft zur Einfuhr landwirtschaftlicher Rohprodukte übergehen und gerieten darin mehr und mehr in die Abhängigkeit vom
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