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Kolonialpolitik : mein politisches Vermächtnis / von W. H. Solf
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ein ihre zur Entwicklung jener Länder verfügbaren Kräfte weit übersteigendes Übermaß von Kolonialboden besitzen, während wir Deutschen mit unserem wachsenden Krastüberschuß auf verstreute kleinere Besitzungen beschränkt sind? Dieser Zustand ist das Gegenteil eines auf dem Kräfteverhältnis und dem kolonisatorischen Können ausgebauten Ausgleichs, der eine unverzichtbare Voraussetzung eines die Gewähr der Dauer bietenden Friedens ist.

2. Triebfedern der Welt- und Kolonialpolitik.

Welches sind nun die Triebfedern der modernen überseeischen Expansion der Kulturstaaten und in welchem Grade fordern sie auch bei uns Befriedigung? Sahen die Mächte, die früher überseeische Weltpolitik als koloniale Machtpolitik trieben, den Wert überseeischer Besitzungen hauptsächlich in der Lieferung von Edelsteinen, Edelmetallen, Gewürzen und ähnlichen Pro­dukten, so hat die neuere Entwicklung Europas mit ihrer rasch steigenden Bevölkerung und dem Aufblühen großer Ausfuhr­industrien, Erscheinungen, die sich gegenseitig bedingen, den Bedarf nach Rohstoffen in einer Weise gesteigert, daß die Deckung nur unter Heranziehung aller in Betracht kommenden Länder möglich und die Sicherung von Rohstoffgebieten für die nationalen Industrien ein dringendes Gebot kluger Wirtschaftspolitik ge­worden ist. Beim heutigen Stande unserer weltwirtschaftlichen Verknüpfungen und Abhängigkeiten liegt auf der Hand, von welch ungeheurer Wichtigkeit es für unsere wirtschaftliche Zukunft ist, daß wir über Gebiete verfügen, die geeignet sind, uns, wenn