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Kolonialpolitik : mein politisches Vermächtnis / von W. H. Solf
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Daß die heimische Landwirtschaft zu dieser gemeinsamen Arbeit bereit ist, hat sie durch die Gründung einer Kolonialabteilung bei ihrer Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft bekundet.

4. Handelsbeziehungen zu eigenen und fremden Kolonien.

Da die Kolonialwirtschaft für alle Kulturstaaten in steigen­dem Maße eine so bedeutungsvolle Rolle im Wirtschaftsleben erlangt hat, so ist es ein Gebot der Billigkeit, daß allen diesen Staaten die Möglichkeit offengelassen wird, an der wirtschaft­lichen Entwicklung der kolonialen Gebiete unmittelbaren Anteil zu gewinnen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Kolonien in erster Linie als Siedelungsgebiete für die überflüssige oder tatendurstige Bevölkerung Europas angesehen. Es war die Zeit, wo jährlich Ströme von Auswanderern auch aus Deutschland ihre Heimat verließen, um jenseits des Meeres ein neues Feld der Betätigung zu suchen, wo infolgedessen die Länder des gemäßigten Klimas im Vordergrund standen, die Tropen da­gegen kaum beachtet wurden. Diese Auffassung war auch noch führend, als die große Welle der Besetzung Afrikas und der Südsee einsetzte, die zur Verteilung der Erde geführt hat. In­zwischen ist die Siedelungsfrage an Bedeutung zurückgetreten, weil die Industrieländer, Deutschland an der Spitze, Platz und Unterhalt für alle ihre Söhne boten. Wir führen nicht mehr Menschen, sondern Waren aus. Wir rechnen auch damit, daß es nach dem Kriege dabei bleiben wird. Trotz­dem besteht ein Bedürfnis für Siedelungsland. Wir haben dauernd ein gut Teil tüchtiger Kräfte, die ihr Glück in anderen

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