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Kolonialpolitik : mein politisches Vermächtnis / von W. H. Solf
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und zum Missionswescn, brauche ich nicht zu betonen, daß zu den zwingenden macht- und wirtschaftspolitischen Gründen als ebenso zwingende und gleichberechtigt wichtige Gründe die kulturpolitischen hinzutreten. Es besteht Übereinstimmung in unserem und im gegnerischen Lager, daß die von den Kultur­völkern über weite Gebiete Afrikas und der Südsee errichtete Herrschaft nicht zurückgezogen werden kann und darf, ohne daß die einheimische Bevölkerung Schaden erlitte und in chaotische Zustände zurückfiele. Daraus wird mit Recht die Aufgabe her­geleitet, die Herrschaft der fortgeschrittenen Rassen mit dem Ziele aufrechtzuerhalten, die zurückgebliebenen Menschen dieser Gebiete allmählich höheren Stufen der intellektuellen und mo­ralischen Entwicklung zuzuführen. An dieser der Kulturmensch­heit gestellten Aufgabe beteiligt zu werden, ist Recht und Pflicht eines jeden der großen Kulturstaaten. Wir wollen uns der Mitarbeit auf diesem Gebiete nicht entziehen und können es nicht dulden, daß andere Staaten uns aus Eifersucht oder Mißgunst davon fernhalten. Wir fordern eine Neuverteilung Afrikas unter die europäischen Kolonialftaaten nach Maßgabe ihrer wirtschaft­lichen und kolonisatorischen Leistungsfähigkeit, also die Be­seitigung des gegenwärtigen, auf Zufälligkeiten der geschicht­lichen Entwicklung beruhenden Besitzstandes.

2. Weltwirtschaftliche Gleichberechtigung.

Welches Bild die künftige Karte von Afrika nun aber auch bieten wird, die Zuweisung von Gebieten an einzelne Mächte darf nicht zur Folge haben, daß sie den Mutterländern wirt­schaftlich allein vorbehalten werden und die übrigen Staaten

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