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Kolonialpolitik : mein politisches Vermächtnis / von W. H. Solf
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oder sonst außer Landes nicht gerechnet werden kann. Bei un­serer grundsätzlichen Haltung zu der ganzen Frage werden wir aber darüber hinaus jede vertragsmäßige Einschränkung der militärischen Rüstungen in Afrika fördern.

2. Deutsche und britische Kolonialinethoden.

Aus meiner Darlegung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gründe, aus denen aktive Kolonialpolitik eine Le­bensnotwendigkeit für unsere Nation geworden ist, wird ersicht­lich, wie ich die Aufgabe verstehe, die die Kolonialverwaltung draußen zu erfüllen hat. Wir lehnen eine Politik der Ausbeu­tung von Land und Volk, die nur das einseitige gegenwärtige Interesse des Mutterlandes im Auge hat, ab. Unser Ziel ist die Hebung der sittlichen, intellektuellen und materiellen Lage der Eingeborenen und die Nutzbarmachung der wirtschaftlichen Kräfte für die Bedürfnisse der Kulturmenschheit nach vernünfti­gen, stets den Ausgleich zwischen den beiderseitigen Interessen suchenden Grundsätzen. Also keine Militarisierung, keine Zwangs­arbeit, keine Bedrückung, kein Gewaltmißbrauch, sondern Schulen, Ärzte, Erziehung zur Arbeit, Förderung des Landbaus, dazu Eisenbahnen, Wege zur Ausschließung des Landes! Diese Grundsätze sind nicht neu. Sie gaben schon vor dem Kriege die Richtlinien für die Eingeborenenbehandlung in unseren Schutz­gebieten. Der Erfolg war die Haltung der Eingeborenen im Kriege: sie haben treu zu unserer Sache gestanden, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Wenn trotzdem die skrupellose feindliche Propaganda es fertig bringt, teils unter Verwertung einzelner Vorfälle aus unseren kolonialen Lehrjahren, wie sie

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