Teil eines Werkes 
3 (1913) Untersuchungen über eine melanesische Wanderstraße / von Georg Friederici
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leicht auch mit Überlegenheit später eingetroffene Bevölkerung philippinischer Herkunft mit nach­gestelltem Genitiv jene Kolonisten zur Aufgabe ihres vorgesetzten Genitivs bei der Sprachvereini­gung veranlaßt haben mag. 158 )

Was schließlich noch einmal den Genitiv der von mir untersuchten Wanderschicht anbetrifft, so findet auch über die gemeinsame Vorausstellung hinaus eine erhebliche Ubereinstimmung statt. Bei­spiele erläutern am besten. Bahasa: latu ni luma, der Fürst, sein Haus. Motu: boroma ena ruma, das Schwein, sein Haus;

tau ena io, der Mann, sein Speer. Barriai: man ele luma, der Vogel, sein Nest;

raila aia luma, der Fregattvogel, sein Nest;

aim aia tue, dein Bein, sein Knöchel. 169 )

Diese Konstruktionen stimmen grammatikalisch vollständig, lautlich 'gut miteinander überein.

Dasselbe gilt für Gruppen V und VI für eine Art von Dativ, der hier gleich erledigt werden kann.

Beispiele: Motu: dabua hahine ena, ein Kleid, das Weib für (ein Kleid für das Weib); bigu tadigu ana, eine Banane, meinen Bruder für.

Barriai: gau na bara pudfi elea aia, ich bringe Ba­nane Brillenkakadu für pudfi tadign aia, eine Banane meinen Bruder für.

Man sieht auf Schritt und Tritt, daß sich Bar- riai-Gruppe und Papuo-Melanesier in der Tat sprachlich sehr nahe stehen.

c) Akkusativ. In allen Gruppen steht der Akkusativ in der Normalstellung nach, kann aber ausnahmsweise nach vorn gezogen werden, wenn besonderer Nach­druck auf das Objekt gelegt wird. 100 )

E. Das Adjektivum.

Das Adjektiv steht in allen Gruppen hinter dem Substantivum. Diese Stellung ist allgemein M. P.,

,58 ) Die Ähnlichkeit philippinischer Sprache mit denen von Ost-Melanesien ist in der Tat bis zu den Hebriden hinab fühlbar; ich hebe an dieser Stelle als Beispiele heraus: Ton- temboan: kan im bavi, Schweinefutter; vale im pandita, Panditahaus (Schwarz:Wdb.", p. 65); Oba: netu i Takaro, Sohn des Takaro; katama i vale, Haustür; mati i uai, Fluß­mündung (Suas, p. 42, 55, 61).

IM ) v. Hoevell:Ldt.", p. 18; Lawes:Gr.", p. 5, 150.

m ) Siehe z. B. v. Hoevell:Ldt", p. 18; Hendriks: p. 9; Lawes:Gr.", p. 6; Schmidt:Die Sprachl. Verh.", p. 249; Derselbe:Jabim", p. 6, 12; Derselbe: D. N. G.", p, 30, 36, 44, 5 o.

zum Unterschied von den Päpua-Sprachen, in denen in der Hauptsache, soweit bekannt, das Adjektiv dem Substantiv vorausgeht. 101 )

Auch das Zahlwort steht in der bahasa, in Buru, in der Barriai-Gruppe und Neu-Guinea-Untergruppe, bei den Papuo-Melanesiern, in den Salomonen und Hebriden nach, während es bei den Alfuren der Minahassa, wie im Malaiischen, vor seinem Haupt­wort steht. 102 )

Einen grammatischen Komparativ und Super­lativ kennen die M. P.-Sprachen nicht. Das Motu: herea, übertreffen, entspricht grammatisch dem Bar­riai: asal, übertreffen, hinter sich zurücklassen, als eine Art von Komparativ. 103 )

F. Das Zahlwort.

Ein Blick auf die Zusammenstellung der Zahl­wörter meiner Gruppen bestätigt die Erfahrung der Linguistik, daß die Zahlensysteme besonders kritisch behandelt werden müssen, daß sie verhältnismäßig leicht teilweise oder ganz ausgetauscht, aufgegeben oder angenommen werden, und daß für sich allein Gemeinsamkeit der Zahlensysteme ebensowenig für eine gemeinsame Herkunft zweier Völker zeugt, wie eine Verschiedenheit in ihnen gegen eine sonst be­wiesene sprachliche Verwandtschaft spricht.

Auch zeigt sich hier wieder, daß die Qualität, der Aufbau, die Brauchbarkeit des Zahlensystems eines Volkes nicht immer und nicht allein von der Stufe der allgemeinen geistigen Entwicklung ab­hängt, auf der ein Volk sich befindet, sondern auch von der Umgebung, in die dieses Volk hinein­geraten ist.

Sprachlich stimmen die entsprechenden Zahl­worte meiner Gruppen in der Hauptsache unterein­ander überein, was nicht zu verwundern ist und nichts beweist; denn die Zahlen sind im allergrößten Umfange über das ganze M. P.-Sprachgebiet hin einheitlich. Auch ist über diese Zahlwörter nach dem, was schon andernorts, besonders durch C o - drington und S. H. Ray, über sie bemerkt worden ist, nichts mehr zu sagen. 104 )

10L ) Siehe z. B. v. Hoevell:Ldt.", p. 19; Hendriks: p. 10; Jellcsma:Bijdr.", p. 6; Schellong,].", p. 25; Lawes:Gr.", p. 7; Ray;Rep.", p. 442, 453; Ray:L. of Br. N. G.", inCongr. Orient.", p. 762, und ,.J. A. Inst.", XXIV, p. 28; Fox, p. 5, 33.

162 ) v. Hoevell:Ldt.", p. 27; Hendriks, p. 13; - Bamler, p. 204; Ray:Rep.", p. 473; Codrington: L.", p. 237fr. Aber Schwarz:Teksten", p. 128, 136 und passim; Adriani:Hoofdst'', p. 59, 60.

1G3 ) v. Hoevell:Ldt.", p. 19; Lawes:Gr.", p. 8.

164 ) v. Hoevell:Ldt", p. 27; Adriani:Hoofdst", p- 57ff.; Hendriks, p. 12; Lawes: ,,G.' ; , p. 8, 9; Ray:Rep.", p. 470; Codrington:L.", p. 235237; Schmidt:D. N. G.", p. 8, 9, 56, 57.