Teil eines Werkes 
3 (1913) Untersuchungen über eine melanesische Wanderstraße / von Georg Friederici
Entstehung
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Einleitendes.

Im zweiten Teile dieser Veröffentlichung konnten einige linguistische und völkerkundliche Beiträge zur Kenntnis des westlichen Neu - Pom­merns geliefert werden. Einige Sprachen dieser liegend, vornehmlich das Barriai, wurden unter-, sucht, und es wurde gezeigt, daß wir es in ihnen mit melanesischen Sprachen zu tun haben. Eine sprachvergleichende Prüfung ergab ferner, daß die Vorfahren der das Barriai sprechenden Melanesier in einer ethnologisch nicht fern zurückliegenden Zeit aus einer Gegend ausgewandert sein müssen, die etwa durch die Linie Süd-Philippinen, Nordost- Cclebes, Molukken bezeichnet wird, und daß andere Zweige dieses Wanderstroms das "Südosthorn von Neu-Guinea, sowie Teile der Salomonen- und Neu- Hebriden-Gruppen erreichten. Es konnte angedeutet werden, daß eine ethnologische Untersuchung dieses Ergebnis der Linguistik zu bestätigen scheint.

Unter Heranziehung weiteren von mir gesam­melten Materials und nach seiner sorgfältigen Ver­arbeitung mit den bereits bekannten Daten soll diese Untersuchung im folgenden erweitert, vertieft und zu einem den Ausgangspunkt der Wanderung enger umgrenzenden Ergebnis geführt werden. Es soll gezeigt werden, daß es die alteingesessenen Be­wohner, die sogenannten Alfuren von Ceram oder den unmittelbar benachbarten Inseln waren, deren Väter oder ganz nahe Verwandte den Wanderzug um Neu-Guinea herum in die Südsee entsandten. Diese Wanderung ist höchstwahrscheinlich von ihrem Ausgangspunkt in der Ceram - Gegend bis etwa zur Insel Rook zwischen Neu - Guinea und Neu-Pommern in einem in der Hauptsache ununter­brochenen Zuge vor sich gegangen. Denn wenn auch manche der zwischen diesen beiden Punkten seßhaften Eingeborenen-Stämme sowohl linguistisch als auch ethnologisch verwandte und ebenfalls nach dem östlichen Indonesien weisende Einschläge zei­gen, so ist mir doch auf dieser ganzen Linie kein Volk bekannt geworden, daß in irgendeiner hervor­tretenden Weise, in seiner Sprache oder in seiner Art, die Wahrscheinlichkeit böte, daß es eine ehe-

Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungshcft 7.

malige Etappe auf dem Wege der hier in Frage stehenden Wanderer darstelle.

Die zu liefernden Beweise werden in allen wesentlichen Punkten linguistische sein. Denn wennschon die durch eine ethnologische Unter­suchung gewonnenen Ergebnisse z. T. in vortreff­licher Weise die durch die Linguistik erlangten Resultate bestätigen und bekräftigen, so hat sich doch bei der Bearbeitung des Stoffes klar heraus­gestellt, daß mit ethnologischen Bausteinen allein der die Molukken, Neu-Pommern und Ost-Neu- Guinea verbindende Bogen nicht aufzubauen ist. Der sprachliche Beweis ist eindeutig: soweit unsere Kenntnis reicht, paßt er nur für die hier in Frage stehenden Völker und für keine anderen; die ethno­logischen Daten dagegen bringen nicht nur Barriai mit Motu zusammen oder etwa Kilenge mit Süd- Salomoniern, sondern auch manche anderen Völker weiterer oder näherer Verwandtschaft innerhalb des großen melanesischen Rahmens, so daß durch ethno­logische Tatsachen für sich allein der verlangte Be­weis nicht zu erbringen ist.

In der folgenden Untersuchung kann nur ver­sucht werden, den positiven Beweis für meine Be­hauptung zu liefern; den negativen Beweis in allen Einzelheiten durchzuführen ist nicht möglich. Denn beweisen zu wollen, daß weiter keines der bekannten zwischen Ceram und den Hebriden sitzenden Völker in die von mir behauptete nahe Völkerverwandtschaft hineingehört, würde ein Unternehmen bedeuten, das auf nicht viel weniger als auf eine linguistisch­ethnologische Monographie von Nord- und Ost- Neu - Guinea, von West - Neu - Pommern und von großen Teilen der Salomonen und Neu-Hebriden hin­auskäme. Eine solche Arbeit kann nicht im Plane dieser Veröffentlichung liegen. Wo es notwendig erscheint, und soweit es möglich ist, soll jedoch in beschränktem Umfange auch diese mehr negative Seite in der Untersuchung Berücksichtigung finden.

Die alteingesessenen Völker der Molukken sind von mir im II. Teil stets Alfuren genannt worden