Teil eines Werkes 
3 (1913) Untersuchungen über eine melanesische Wanderstraße / von Georg Friederici
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Weibern als Insassen eine unbewohnte Insel er­reicht, dann werden in gebührender Zeit die Nach­kommen jener wenigen Männer und Frauen die ganze Insel mit dieser ihrer Rasse bevölkert haben. Kommt aber dieses selbe Boot in ein Land mit einer zahlreichen andersartigen Bevölkerung, dann wer­den seine Insassen verschwinden oder in jener auf­gehen, ihre Art wird verloren gehen. Finden wir also unter einer starken alteingesessenen Bevölkerung zahlreiche und widerstandsfähige Kolonien anders­gearteter Einwanderer, so wird man annehmen können, daß letztere in einer solchen Stärke ein­getroffen sein müssen, daß sie sich und ihre Art durchzusetzen vermochten.

Das Endergebnis dieser Erwägungen für den vorliegenden Fall ist das folgende: Kann ich be­weisen, daß sich die Sprache der Alfuren von Ceram in charakteristischen und hinreichend zahlreichen Spuren in West-Neu-Pommern, Südost-Neu-Guinea, sowie auf den Salomonen und Neu-Hebriden wieder­findet, so beweise ich damit, daß Träger dieser Sprache mit ihr gewandert sein müssen.

1. Prüfung der Grammatik.

Es werden untereinander verglichen: Die Dia­lekte der bahasa tan ah der Ambonschen Inseln und von Ceram, die Sprachen der Barriai-Gruppe, die melanesischen Sprachen der Westlichen Papuo- Alelanesier von Britisch-Neu-Guinea und die Spra­chen der südlichen Salomonen und der nördlichen Gruppe der Neuen Hebriden. Die sogenannte Neu- Guinea-Untergruppe wird der Barriai-Gruppe an­gegliedert.

Es ist vorauszuschicken, daß alle Iiier zur Untersuchung stehenden Sprachen, soweit mir be­kannt, im redenden Tonfall gesprochen werden, nicht in einem singenden. Es gibt in Melanesien Sprachen, für die eine z. T. weitgehende singende Aussprache charakteristisch ist. Hierher gehören in Neu-Mecklenburg die Dialekte von Lauan und Sali: in Neu-Guinea ist mir in Sissano die singende Wiedergabe der betonten Endsilbe in vielen Worten aufgefallen, und im mittleren Neu-Mecklenburg wird dort, wo die denare Zählweise besteht, also z. B. in Belik und Palabong, das i in tsm (Zahl 9) merkwürdig singend ausgesprochen.

A. Lautlehre.

Das Alphabet der fünf Sprachgruppen ist in den Hauptzügen gleich; bemerkenswerte Unter­schiede werden im einzelnen erörtert werden. Alle besitzen einen großen Vokalreichtum. Die bahasa tanah ist äußerst reich an ihnen; es ist nicht selten,

daß zwei, drei, ja selbst vier Vokale oder Diph­thonge aufeinander folgen; sehr viele Silben sind offen, aber auch geschlossene sind vorhanden, [n der Barriai- und in der Salomonen-Hebriden-Gruppe liegen die Verhältnisse ähnlich. Die Dialekte der Westlichen Papuo-Melanesier gehen in dieser Hin­sicht sogar noch weiter: im Motu können keine zwei Konsonanten aufeinander folgen, jede Silbe ist eine offene Silbe. 70 )

Codrington hat bereits festgestellt, daß Lautgesetze, etwa von der Art, wie sie van de r T u u k zuerst für die indonesischen Sprachen auf­gestellt, und wie sie uns J. L. A. Brandes so schön erläutert hat, unter den melanesischen Spra­chen nicht zu finden sind. 71 ) Auch aus meiner später folgenden wortvergleichenden Zusammen­stellung habe ich solche Gesetze nicht ableiten können. Der Grund für diese Erscheinung ist im vorliegenden Falle wohl darin zu suchen, daß die anfangs in der Hauptsache ethnisch und linguistisch gleichartige Wandermasse unter einer in sich sehr verschieden gearteten alteingesessenen Bevölkerung siedelte. Diese hat die eingewanderte Alfuren- Sprache verschiedenartig beeinflußt und eine gewisse gesetzmäßige Entwicklung verhindert, die ohne eine solche Beeinflussung wohl ebensowenig ausgeblie­ben wäre, wie in Indonesien. Für eine solche Auf­fassung spricht die Tatsache, daß da, wo innerhalb gewisser Grenzen der Wanderstrom auf eine in der Hauptsache einheitliche Eingeborenen-Bevölkerung traf, in der Tat Erscheinungen zu beobachten sind, die wie eine gewisse Gesetzmäßigkeit aussehen. Auf einige solcher Erscheinungen innerhalb der Barriai-Gruppe habe ich bereits hingewiesen (p. 11).

Ich greife zur Erläuterung noch ein paar weitere Beispiele heraus: Die Dialekte der Insel Lihir, die in einem Verwandtschaftsverhältnis zu denen von Laur stehen, wenn auch nicht in einem so engen, wie ich das in Teil II angenommen habe, zeigen vielfach ein o da, wo die von Laur und be­nachbarte Sprachen ein a oder ü haben:

Lihir

Deutsch

pos

Taro

pas (Laur)

hot

Stein

hat ,,

matori

mein Auge

matah (Nokon)

limoh

mein Arm

limah ,,

a pol

der Hund

a pul (Tanga, Anir)

a hon

die Schildkröte

a hun (Lemusmus,

Bissapu, Nissan)

tomät

Mann

tamata (Fidschi).

70 ) van

Hoevell:Landtaal"

p". 10; Ivens, p. 756;

Lawes:Grammar", p. 2

7I )Langnages", p. 201, 202.