Teil eines Werkes 
3 (1913) Untersuchungen über eine melanesische Wanderstraße / von Georg Friederici
Entstehung
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n. Dieser Kousonant fehlt gänzlich in den Dialekten der bahasa und fehlt ebenfalls Iiis auf das Mekeo, den Dialekten der Westlichen Papuo- Melanesicr. Tm Mekeo scheint er sich, wie R a y nieint, aus r entwickelt zu haben. In den Diaickten der Alfuren der Minahassa tritt dieser Laut dagegen auf, er fehlt, soweit mir bekannt, in keiner Sprache des Bismarck-Archipels und der Salomonen und ist auch wohl in allen bekannt gewordenen Papua- Sprachen bemerkt worden. Das n scheint über­haupt, wie es Ray ausgedrückt hat, stellenweise rather Papuan than Melanesian" zu sein, während es an anderen Stellen, so im östlichen Bismarck- Archipel, mit philippinischen Sprachen in die Süd­see gebracht sein dürfte. Ich glaube daher auch nicht, daß das Fehlen des ri in den Dialekten der Westlichen Papuo-Melanesier einen Verlust dar­stellt, sondern ich glaube, daß diese Alfurische Wanderschicht ohne diesen Mitlaut ihren Zug nach Osten antrat, und daß erst später in ihrer neuen Heimat die anderen drei Gruppen ihn unter dem Einfluß von Papua-Sprachen oder melanesischen Sprachen philippinischer Abkunft aus k oder g ent­wickelt haben. 102 )

cj. Mit q drücken die britischen Linguisten einen zusammengesetzten Konsonanten aus, welcher dort, wo er in voller Stärke auftritt, so in den Banks-Inseln und nördlichen Neu-Hebriden, die Komponenten kpw enthält. Er kann aber auch hier je nach seinem Inhalt darstellen: kw, pw, kmbw, ggmbw. Bei den Westlichen Papuo-Melanesiern findet er sich nicht in Kabadi und Waima, und im übrigen nie in seiner vollen Kraft, wie soeben an­gegeben, sondern nur als: bw, pw, kw und gw. Dieser Mitlaut findet sich, wie ich glaube, nicht in der Barriai-Gruppe, jedenfalls sicherlich nicht in einer auch nur leicht auffallenden Stärke. Im Jabim findet er sich dagegen nach Schmidt in schwacher Form als gb, ku, ktt. Er findet sich nicht in den Molukken oder in der Minahassa, auch nicht am äußersten östlichen Ende Melanesiens, in Fidschi. Es scheint also eine Bildung zu sein, die dem hier verfolgten Wanderzuge nicht ursprünglich angehört hat. 103 )

Weiter wüßte ich in diesem Zusammenhang nichts über die Konsonanten dieser Wanderschicht

102 ) v. Hoevell:Ldt.", p. 13; Adriani:Hoofdst.", P- 38, 39! Ray:L. o. Br. N. G.", inCongr. Orient.", p. 758, undJourn. Anthr. Inst.", XXIV, p. 22; Ray:Rep.", p. 418, 422; Ray:Maisin", p. 398; Codrington: ,,L.", p. 204, 213; Haddon:H.-H."," p. 269.

103 ) Codrington:L", p. 196, 198, 211; Ray:L. of Br. N. G.", inCongr. Orient.", p. 758, undJ. A. Inst.", XXIV, p. 22; Ray:Api", p. 295; Ray:N. H.", p. 107; Ray:Rep.", p. 419, 420; Schmidt:J.", p. 4.

zu sagen. Ich kann nur noch darauf hinweisen,

daß die Entwicklungen eines Konsonanten zu einem

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anderen dieselben sind, wie sie auch sonst allgemein M. P. sind, und daß besonders die Übergänge von s zu t, s zu k und t zu k sehr häufig sind. 10 ')

Die hier nachgewiesenen Ubereinstimmungen im Lautsystem können natürlich keinen Beweis für meine hier vertretene Auffassung bringen; denn diese Übereinstimmungen finden sich auch in an­deren M. P. - Sprachen. Immerhin aber tritt die stellenweise stark in die Augen fallende Gleich­förmigkeit innerhalb der Gesamtschicht hervor, und sicherlich zeigt eine Vergleichung der Lautsysteme nichts, was gegen den von mir behaupteten Zusam­menhang sprechen könnte.

B. Das Pronomen.

Es müssen zunächst not wendigerweise ein paar Worte über Dual und Trial vorausgeschickt werden, die eigentlich in einen späteren Absatz hinein­gehören.

Wie schon Codrington bemerkt hat, haben mit ganz wenigen Ausnahmen die von ihm behan­delten melanesischen Sprachen keinen richtigen Dual und Trial, sondern das, was so genannt wird, ist in der Tat kein selbständiger Numerus, sondern der Plural mit Hinzufügung der Zahlen 2 oder 3. Das gleiche trifft auch zu für die übrigen hier be­handelten, Codrington damals noch nicht be­kannten Sprachen und Dialekte.The Dual and Trial are therefore of no great grammatical interest generally." 105 )

Nun scheint es so, als wenn nicht genügend , gewürdigt wird, daß genau dasselbe Verhältnis auch bei einigen ostindonesischen Sprachen vor­liegt und nicht nur allein bei .dem Dayak, das immer als einzigste Ausnahme in dieser Hinsicht unter den indonesischen Sprachen aufgeführt wird. Die Sprachen der Sangir- und der Talaut-Inseln zeigen Dual- und Trialformen, die sich grammatikalisch

1M ) Siehe hierüber: s = t: v. Hoevell:Ldt.", p. 9; Wilken en Schwarz, p. 194; Adriani:Togian". p. 12; Codrington:L.", p. 207, 216; Ray:Api", p. 295; Ray:Rep.", p. 422. s = k: v. Hoevell:Ldt.", p. 9. t = k: Codrington:L.", p. 200, 202; Chalmers: Pioneering", p. 236; Lawes:Gr.", p. IX; Ray: Rep.", p. 421; Fox, p. 46; Schellong:J.", p. 16.

103 ) Codrington:L.", p. 111, 112; Codrington a. Palmer, p. XVI. Im Hinblick auf das schon von anderer Seite untersuchte Verhältnis zwischen Trial und Plural in M. P.-Sprachen ist es nicht ohne Interesse darauf hinzuweisen, daß die Worte fürdrei" im Griechischen, Lateinischen und Chinesischen unter Umständen nicht nur diese bestimmte Zahl, sondern auchein paar'',einige" bedeuten. Siehe Friederici: Berittene Infanterie in China" (Berlin 1904), p. 237, 350.