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Belgisch-Kongo : geschichtliche, geographische und volkswirtschaftliche Studie / von J. Wiese
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Erster Teil. Geschichtliches über Belgisch-Kongo.

pazen gern gönnen; aber verhängnisvoll konnte es werden, wenn sich das neue Schlagwort in der öffentlichen Meinung festgesetzt hätte, Zentralafrika sei ein zweites Indien. Als ganz unermeßlich wurde der Reichtum des Binnenlandes geschildert. Man sprach so, als handelte es sich nur darum, die tropische Fülle kostbarer Natur­produkte zu verfrachten und den Weltmarkt damit zu überschwemmen. Die paar Katarakte, die dem Freihandel wie von der Natur gesetzte Zollschranken den Weg verlegten, konnten einem Jahrhundert keine Schwierigkeiten bereiten, dessen Verkehrsbedürfnis Hochgebirge durch­bohrt und Weltteile zerschneidet. Wir werden sehen, daß auch die technisch-industrielle Allmacht unseres Zeitalters dort nur mühselig und langsam Wunder wirkt.

Die Internationale Gesellschaft am Kongo.

Die Gründung der Internationalen Afrikanischen Gesellschaft und ihrer Zweigvereine hatte eben noch das öffentliche Interesse auf Afrika hingelenkt, als die Kunde von Stanleys großer Tat abermals der Afrikaforschung neue Anregung gab und neue Erfolge verhieß. Namentlich ließ sich erwarten, daß die oberste Leitung der Gesellschaft mit dem kühnen und bewährten Forscher Fühlung suchen würde. Wirklich ward auch Stanley nach Brüssel berufen, wo am 25. No­vember 1878 unter dem Vorsitz des Königs sich das Komitee zur Erforschung des Kongo-Oberlaufes gebildet hatte (Lowits ä'swäes clu Haut-LonM). Man begann mit einem Kapital von einer Million Franken. Anfang 1879 fand ebendaselbst eine Konferenz der Inter­nationalen Kommission statt, und in der Sitzung vom 5. Februar wurde dem anwesenden Stanley der Oberbefehl über eine neue Expedition angeboten, worauf er einging. Ebenso schnell als still traf er seine Vorbereitungen, und schon am 18. März langte er wieder in Sansibar an. In Europa aber wußte man fast nichts von seinen Absichten und Plänen. Ob er zu entdecken oder zu erschließen gesandt war, ob er vom Westen oder Osten vordringen wollte, in wessen Auftrag er reiste, von wem die überaus reichen Mittel ihm zur Ver­fügung gestellt wurden: auf alle diese Fragen konnten auch die best­unterrichteten Weltblätter oder meistbeteiligten Fachzeitschriften keine klare Antwort geben. Mehrere Jahre lang blieben Stanleys Tätigkeit