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Belgisch-Kongo : geschichtliche, geographische und volkswirtschaftliche Studie / von J. Wiese
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Erster Teil. Geschichtliches über Belgisch-Kongo.

labien (Instrument, womit man z. B. die Mittagshöhe der Sonne und daraus die geographische Breite bestimmte, unter der man sich befand) neue, fein gearbeitete, aus Messing vorgeschlagen haben, die man am Mäste aufhängte und die vermöge ihrer Schwere die senk­rechte Lage auch bei den Schiffsschwankungen beibehielten. Behaim wurde, damit er selbst seinen Vorschlag erprobe, dem Diego Cao als Astronom und Kosmograph beigegeben und machte so die denkwürdige Fahrt mit, die zur Entdeckung des Kongo führte. Und noch weit über seine Mündung hinaus drangen die kühnen Entdecker vor bis an die öden Küsten des jetzigen Lüderitzlandes und an die Nordgrenzen des Kapgebietes, mehr als 2000 Km jenseits des Äquators. Das Kap selbst wurde im darauffolgenden Jahre von Bartholomäus Dias entdeckt, aber, wie bekannt, erst im Jahre 1498 von Vasco da Gama umschifft. Nach 19monatlicher Fahrt trafen Cao und Behaim glücklich wieder in Lissabon ein und wurden mit großen Ehren und Auszeichnungen überhäuft. Behaim erhielt vom König Johann II. in Gegenwart der Königin und des ganzen Hofes den Ritterschlag und die Jnsignien des Christusordens.

Das alte Kongoreich.

Der neue Kongostaat, der im Jahre 1885 in Berlin anerkannt wurde, ist nicht die erste Staatenbildung an den Ufern des Kongo. Schon als die Portugiesen vor 400 Jahren die Mündung dieses Riesenstromes entdeckten, trafen sie seine Uferbewohner zu einem Staate vereinigt. Die Kongoneger lebten unter Häuptlingen, die einem gemeinsamen Oberhaupte steuerpflichtig waren. Nizinga-a-Kuu hieß das damalige Oberhaupt des Negerreichs, und schon sein Urgroß­vater Nimi-a-Luqueni hatte die verschiedenen, früher selbständigen Mani oder Häuptlinge seinem Oberbefehle unterworfen.

Als Nizinga-a-Kuu sich 1491 taufen ließ und den König von Portugal als feinen Verbündeten, genauer als seinen Lehnsherrn, anerkannte, gaben ihm die Portugiesen den Königstitel, den der Apostolische Stuhl bestätigte, und nannten die Häuptlinge, die die ein­zelnen Provinzen regierten, Grafen und Herzoge, die europäischen Begriffe und Titel auf diese Negerfürsten übertragend. Zu Ehren des portugiesischen Königs erhielt Nizinga-a-Kuu den Namen Dom Joao I., dessen Sohn bestieg als Dom Afonso den Thron: ihm