Druckschrift 
Bd. 4 (1851)
Entstehung
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833
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Barbarei der Franzosen in Hamburg.

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Sct. Petri - Kirche eingesperrt und dann zur Stadt hinaus- getricbcn, auch 349 Waisenkinder nach Eppcndorf. Die Jacobi- Kirche ausgenommen wurden von den Kirchen Pferdeställe gemacht und man verlegte den Gottesdienst der Nicolai-Kirche in die Börse, den der Catharinen-Kirche in das Eckhaus auf den Stockclhörcn. Unterdcß hatte die nothgcdrungene Auswan­derung und gewaltsame Austreibung ihren Fortgang; die Vor­stadt Hamm, der Grindel, der rothe Baum und der Hamburger Berg wurden am 28sten Dec. den Flammen Preis gegeben, Nacht auf Nacht brannten furchtbare Feuer, so auch nach einer nur achtstündigen Kündigung die Vorstädte überhaupt, die Vor- dörfcr, die herrliche» Landhäuser an der Alster und Mitte Januar d. f. I. lagen in der Vorstadt Hamm allein über 400 Gebäude abgebrannt nieder. Gräuel auf Gräuel häuften sich. Zunächst trieb nwn die Jungen und Starken, dann die Alten und Schwachen aus, am Weihnachts- und Neujahrscibcnd massenweise, in der Nacht vom 7ten auf dem 8ten Zcm. d. f. I. die Gebrechlichen aus den Gottesbuden, die Verbrecher aus den Zuchthäusern und bei einer Kälte von 18 und 19 Grad auch 800 Kranke und über 60 Wahnsinnige aus dem bald niedergebrannten Kranken­hause, indeß betrunkene Soldaten sich mit ihnen um ihre Hab» seligkeiten stritten und fast 600 der Kälte erlagen. Nur ungefähr 55,000 Einwohner blieben zurück, wie denn eine Proclamation des grausamen Polizei-Directors Hogendorp bestimmte, welche Stände, besonders namhaft gemachte Aemter, brauchbare Hand­werker, ausgenommen seyn sollten.

Durch eine Verordnung des mitleidigen Kronprinzen von Schweden angewiesen wandten sich lange Züge Vertriebener, besonders Greise, Frauen und Kinder, wie darin bestimmt worden, in Begleitung von Kosacken nach Lübeck und Bremen, welche Städte, mit Altona, wo angesehene Hamburger einen Nnterstützungsverein bildeten, nach Kräften halfen. Der Senat in Bremen ordnete im Anfange des I. 1814 eine besondere Commission zur Unterstützung an und forderte dringend auf, die Vertriebenen in den Wohnungen gastlich aufzunehmen, sey doch Hamburg unter den Ersten gewesen, was seine Opfer gebracht nnd nun unter den Letzten, welche für eine bessere Zeit glorreich litten. Bis zum löten Jan. waren in unserer Stadt 1100 Ver-

Bremische Geschichte Thl. IV. 53