H.. Der Norden
Umfang.
Der Norden des deutsch-ostafrikanischen Schutzgebietes, wie er oben abgegrenzt worden ist, beträgt einschließlich der unserer Kolonie zufallenden Wassermasse des Victoriasees etwa 5400 deutsche Quadratmeilen oder rund 302000 Quadratkilometer, ohne die Fläche des Victoriasees nicht ganz 4800 Quadratmeilen oder rund 268000 Quadratkilometer. Er darf aus verschiedenen Gründen als der interessanteste Teil Deutsch-Ostafrikas gelten, wenn er handelspolitisch und wirtschaftlich der Mitte auch nachsteht. Er besitzt in Mansabucht und Tanga zwei vorzügliche Häfen; sein kulturfähiges Land beginnt sehr bald hinter der Küste; im Gebirgsland von Usambara, Pare und dem Schneeriesen Kilima-Ndjaro ist, bis fast an den Ocean reichend, besiedlungsfähiges Gebiet gegeben; und zu ihm gehört der Victoriasee, die größte der Mittelafrikanischen Wasserflächen, welche durch den Nil schon heute, wenn auch noch mit Unterbrechungen, in schiffbarer Verbindung mit Ägypten und dem Mittelmeer steht.
Es' ist ein wundersames Landgebiet, welchem wir hier gegenüberstehen. Vom Indischen Ocean an steigt ununterbrochen die weite rotbraune Steppe an, in welcher schroff und unvermittelt die Bergländer und der Kilima-Ndjaro aufgesetzt sind. Wie Zinnen und Erker ragen die Abfälle von Usambara und Pare aus der Ebene empor, und wie ein riesenhafter Turm erhebt sich in ihrer nordnordwestlichen Fortsetzung der Doppelkegel des Kilima-Ndjaro, diesen barocken Aufbau über den Savannen in imposantester Weise beschließend. Nach Westen zu breitet sich dann scheinbar ins Endlose die Massai-Steppe aus, immer wieder