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Deutsche Kolonien : Koloniales Lesebuch zur Einführung in die Kenntnis von Deutschlands Kolonien und ihrer Bedeutung für das Mutterland / ausgew., eingel. u. m. e. Sachreg. vers. von Willy Scheel
Entstehung
Seite
155
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Handel und Verkehr in Deutsch-Südweslafrika.

Theodor Leutwein.

Wir betreten jetzt ein Gebiet, auf dem wir zur Zeit in Süd- westafrika mehr noch als auf jedem anderen nur von der Vergangen­heit sprechen können. Das Innere des Hererolandes war das Haupt­absatzgebiet für den Handel, man nannte es daher kurzweg das Handelsfeld". In der Zukunft wird sich daher der Handel neue Bahnen schaffen müssen und sie mit der Zeit gewiß auch finden. Bis dahin aber wird vielleicht manches nicht fest genug fundierte Handelshaus den neuen Verhältnissen zum Opfer fallen, was in­dessen nicht gerade als Schaden angesehen zu werden braucht.

Die Hauptträger des Binnenhandels im Schutzgebiet waren die feststehenden großen Kaufgeschäfte, wenn sie auch nicht den Handel mit den Eingeborenen direkt betrieben haben. Ihn vermittelten viel­mehr die kleinen Händler, sei es in gleichfalls feststehenden Geschäften mitten unter den Eingeborenen, sei es als Wanderhändler. Obwohl der Beruf eines solchen kleinen Händlers recht wenig Verlockendes bot, so hatte ihre Zahl vor dem Aufstande doch weit über den Be­darf zugenommen, und namentlich zu dem Berufe eines Wander- händlers drängten sich manche zweifelhaften Elemente, die das mit ihm verbundene freie, wenn auch mühsame Leben der regelmäßigen Arbeit vorzogen. Die Folge war eine ungesunde Konkurrenz, und die weitere Folge dieser die Zunahme des das wirtschaftliche Inter­esse beider Teile schädigenden Kreditunwesens, letzteres wieder ver­bunden mit eigenmächtigem Eintreiben von Außenständen den im Bezahlen gern säumigen Eingeborenen gegenüber. Daß es bei diesem 'häufig nicht ohne Roheiten abging, ist nur natürlich. Gehört doch