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Kamerun.
Reisebriefe von der parlamentarischen Studienreise 1905.
Ltto Arendt.
Am Morgen des 30. August 1905 holten uns die Boote des Bezirksamts Viktoria von Bord der „Eleonore Woermann" an Land. Stramm ruderten die Schwarzen in ihren praktischen und kleidsamen Uniformen. Die langgezogenen Wellen des Atlantischen Ozeans hatten uns gehörig durchgeschaukelt, als wir nach etwa 20 Minuten an der Landungsbrücke anlegten. Der Bezirksamtmann von Viktoria, Assessor Ada, hatte uns abgeholt; an der Brücke empfingen uns zahlreiche Herren, um die Führuug zu übernehmen. Gleich der erste Eindruck Kameruns war ein völlig anderer wie der Togos. Eine beispiellose Üppigkeit der Natur, wohin man blickt. Wir durchwanderten Viktoria, besichtigten die Schule, die Kirche der Basier Mission und betraten dann jenseits der schön in Stein erbauten Sodenbrücke den Botanischen Garten von Viktoria, der neben wissenschaftlichen vor allem praktischen Zwecken dient. Hier werden Versuchspflanzungen angelegt, und den Pflanzern wird mit Rat und Tat Hilfe geleistet. Alle Wunder der tropischen Pflanzenwelt treten hier vor unser Auge. Zum erstenmal sehen wir Kakao, Kaffee, Tee, Muskatnuß, Pfeffer, Vanille, Ananas, Bananen, Papayas wachsen. Ebenholz und Mahagoni, Gummi und Bambus lernten wir kennen. Eine Anzahl üppiger, bunter Blattpflanzen, reichfarbiger Blumen, schnellaufschießender Bäume waren uns völlig unbekannt und blieben es auch, nachdem wir den botanischen Namen gehört halten. Ein Baum hatte es in drei Jahren auf 22 Meter Höhe gebracht. Wir