8 .
Baumwollkultirren.
Hermann Pansche.
Wohl keine Kultur in unseren deutschen Kolonien wird zurzeit mit größerem Interesse verfolgt, als der Versuch, auf deutsch-kolonialem Boden Baumwolle in größerem Umfange zu bauen. Das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee in Berlin kann für sich das große Verdienst in Anspruch nehmen, zuerst tatkräftig vorgegangen zu sein auf dem Wege, Deutschland wenigstens teilweise aus eigenen Kolonien mit einem der wichtigsten Rohstoffe seiner Großindustrie zu versorgen. Immer mehr ist es den unermüdlichen Anstrengungen des Leiters des K.-W.-K., Herrn Supf, gelungen, das Interesse für diese Frage zu wecken und allmählich auch diejenigen Kreise mobil zu machen deren geschäftliche Interessen am lebhaftesten von dieser Frage berührt werden, nämlich die Baumwollindustriellen selber.
Auch die Reichsregierung wendet der Frage immer größere Aufmerksamkeit zu, und die Etats der Kolonien weisen mit Recht, wem auch nicht sonderlich erhebliche Summen auf, um die vom K.-W.-K. eingeleiteten Baumwollbauversuche unterstützen zu können.
Die Ursachen dieses Vorgehens sind zu bekannt, als daß ich darauf hier im einzelnen einzugehen brauche.
Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika den weit überwiegenden Teil der gesamten Weltproduktion an roher Baumwolle liefern, daß daneben eigentlich nur Ägypten, Ostindien, China und neuerdings Teile des asiatischen Rußlands als größere Lieferanten für den Weltmarkt in Frage kommen, hat dahin geführt, daß die Amerikaner ihre beherrschende Stellung spekulativ in einer Weise ausgenutzt haben, daß tatsächlich alle Konsumtionsländer den