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Kolonialpolitik / von Alfred Zimmermann
Entstehung
Seite
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II. Kolonialbesitz vom völkerrechtlichen Standpunkt.

1. Portugal hat in den von seinen Seefahrern entdeckten Ländern mit Genehmigung der eingeborenen Machthaber oder gewaltsam festen Fuß gefaßt. Um vor der Einmischung anderer europäischer Mächte sicher zu sein, wandte es sich bereits in der Mitte des 15. Jahr­hunderts an den Papst als den Statthalter Gottes auf Erden. Von ihm erhielt es 1441 den Besitz aller zwischen dem westafrikanischen Kap Bojador und Indien gelegenen Länder zugesprochen. Auf Betreiben seiner Diplomatie bestätigte Papst Calixtus III. unterm 8. Januar 1454 die Bulle seines Vorgängers. Der Papst belehnte damals den jeweiligen Großmeister des portugiesischen Christusordens förmlich mit dem in Frage stehenden Gebiete. Eine nochmalige Bestätigung erfuhren diese Bullen am 21. Juni 1481 durch Papst Sixtus IV.

Als Kolumbus seine kühne Fahrt über den Atlantischen Ozean aus­geführt und dabei nach seiner von aller Welt geteilten Meinung die Ost­küste Indiens erreicht hatte, erhob Portugal auf Grund seiner ihm vom Papst erteilten Hechte Einspruch. Es stellte durch einen Botschafter in Madrid die Forderung, daß spanische Schiffe den Breitenkreis der Kanarischen Inseln nach Süden zu nicht überschritten und mit Indien keinerlei Verkehr unterhielten, da ihm daran das ausschließliche Besitz­recht zustehe. Gleichzeitig wurde es auch bei der römischen Kurie vorstellig. Der damalige Papst Alexander VI. war indessen ein Spanier. Dazu entzog man sich in Rom nicht der Erwägung, daß zur Zeit des Erlasses der für Portugals Ansprüche maßgebenden Bullen kein Mensch an die Möglichkeit der Fahrt nach Indien über das Atlan­tische Meer gedacht hatte. Der päpstliche Stuhl entsprach daher nicht den Forderungen Portugals, sondern erkannte Spanien das Recht auf den Besitz der von ihm entdeckten Gebiete zu, soweit damit nicht An­sprüche anderer christlicher Mächte verletzt würden.

Am 4. Mai 1493 teilte er dann die Welt in zwei Hälften durch den Meridian, welcher von jeder der azorischen und kapverdischen In­seln 100 Leguas westlichen Abstand habe, und sprach die westliche Hälfte Spanien, die östliche Portugal zu. Umsonst protestierte Portugal und suchte sein' Kolonialmonopol zu retten. Da Spanien mit Ge-