I. Allgemeines.
1. Begriff der Kolonisation.
Unter Kolonisation verstand man lange Zeit nur die Besiedelung eines Landes durch Bewohner eines anderen. F. Bacon sagte: „I may justly account new plantations to be children of former kingdoms“. l ) Geivel drückte sich in der „Encyclopedie methodique. Jurisprudence“ (1783) folgendermaßen aus: „Colonie: on entend par ce mot le transport d’un peuple ou d’une partie d’un peuple dkm pays ä un autre“. Im folgenden Jahre wurde sein Gedanke noch etwas näher in der Abteilung „Economie politique“ mit den Worten ausgeführt: „Colonie: transmigration d’un peuple ou d’une partie d’un pays ä un autre, pour s’y etablir ä dem eurer, ä l’aide de l’agriculture“. Er fügte hinzu, die ganze Erde sei auf dem Wege der Kolonisation allmählich besiedelt worden. Jean Baptiste Say bezeichnete 1803 in seinem „Traite d’Economie politique“ (Kap. 28) Kolonien als „des Etablissements formes dans des pays lointains par une nation plus an- cienne, qu’on nomme la Metropole“, faßte also den Begriff etwas weiter. James Miel wendet sich in seinen 1823 veröffentlichten „Essays“ gegen die Auffassung, in einer Kolonie nur „a body of people drawn from the mother country to inhabit some distant place“ zu erblicken. Er betont, daß dann auch Ansiedelungen wie die der Hugenotten in Holland als Kolonien gelten würden. Das Wesentliche sei die Abhängigkeit von einem Mutterlande. Nur dauernd in Besitz genommene Gebiete außerhalb des Mutterlandes könnten also als Kolonien betrachtet werden. Auch Roebuck versteht in seinen 1849 erschienenen „Colonies of England“ unter Kolonien wieder nur Gebiete mit vielem verfügbaren Lande, die von Europa aus besiedelt würden und mit einem Mutterlande in regelmäßiger Verbindung stünden.
Gegenwärtig begreift man unter Kolonisation nicht allein die Besiedelung, sondern auch die Erschließung und B ewirtsc haftung: von neuerworbenen, auf einer tieferen Kulturstufe befindlichen Gebieten durch ein anderes Land. Man unterscheidet, je nachdem sich diese Gebiete innerhalb des betreffenden Landes oder außerhalb befinden, innere und äußere Kolonisation. Die letztere kommt für die Zwecke dieser Arbeit
1) Essay of plantations. works ecl. by Spedcling VI. S. 457.
Zimmermann, Kolonialpolitik. 1