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Kolonialpolitik / von Alfred Zimmermann
Entstehung
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I. Allgemeines. 3. Zweck der Kolonisation.

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hing eines Gebietes dieser Kategorie geschehen ist, um so kürzer ist in der Regel die Frist, während der Weiße dort leben kann. Die körperliche Arbeit liegt hier in den Händen Farbiger. Versuche, hier weiße Verbrecher als Arbeiter zu verwenden, wie es Frankreich und Portugal versuchen, scheitern nicht sowohl an der Einrichtung an sich als an den natür­lichen Bedingungen.

3. Zweck der Kolonisation.

Die Ansichten über Zweck und Nutzen von Kolonien sind mehr­fachem Wechsel unterworfen gewesen. Portugiesen und Spanier haben ihre ersten Kolonialerwerbungen ausgeführt, um die Hand auf die Gebiete zu legen, welche die damals am höchsten bewerteten Waren, die Gewürze und Edelmetalle, erzeugten. An dieser Auffassung haben sie lange festgehalten. Neue Gebiete zur Ansiedlung überschüssiger / Bevölkerung oder zur besseren Unterbringung gewerblicher Erzeugnisse, brauchten sie nicht, da beides bei ihnen sehr schwach entwickelt war,' Auch Franzosen, Holländer, Engländer verlegten sich auf koloniale Unternehmungen zu Anfang lediglich unter dem von Portugal und Spanien vertretenen Gesichtspunkt.

In England regte sich indessen schon früh bei weiterblickenden Leuten eine andere Auffassung. Gewiß maß man dem Reichtum über­seeischer Gebiete an Edelmetallen und Mineralien, sowie der Aussicht, von dort Gewürze, Seideusw. billig zu beziehen, die größte Bedeutung bei. Doch schon Sir Humpiirey Gilbert j ) , Sir George Peckiiam und Sir Walter Raleigii betonten auch die Wichtigkeit neuer Gebiete für Ansiedlung des Überschusses der Bevölkerung. Erstere zwei erkannten j ferner die Bedeutung von Kolonien für Absatz englischer gewerblicher i Erzeugnisse, sowie Stärkung des Handels und der Seemacht des Mutter-' landes. Beide wünschten ferner Kolonien zur Entlastung Englands von Vagabunden und Verbrechern zu benutzen, wogegen sich freilich Sir Francis Bacon in seiner SchriftDe plantationibus populorum wendete. Peckham bezeichnete es endlich schon als eine dankbare Aufgabe eines kolonisierenden Volks, Christentum und Zivilisation unter den Einge­borenen zu verbreiten.

Diese Auffassung vom Zwecke der Kolonien ist bald allgemein an­genommen worden. Nur wurde je nach der Lage der Verhältnisse der eine oder andere Punkt mehr betont. In Frankreich, das nicht glücklich genug war, die Hand auf Goldländer zu legen, empfahl Montciiretien 1615 1 2 ) die Erwerbung überseeischer Kolonien hauptsächlich zum Zweck der Hebung von Handel und Schiffahrt, Ableitung der Auswanderung vom

1) A discourse. Hackluyt. voyages III. 1600.

2) Traite de leconomie politique. Hrsg, von Funck-Brentako. Paris 1890.