Teil eines Werkes 
T. 1 (1914) Die Reise: Eindrücke und Beobachtungen / unter Mitarb. von Marie Pauline Thorbecke und Leo Waibel
Entstehung
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Störungen im Osten des Bamum-Plateaus bis über den Djerem nicht stattge­funden haben.

Vom letzten Bamum-Rasthaus am Rand des breiten Mbam-Waldes wurden noch am Abend und in den ersten Stunden der mondhellen Nacht die meisten Lasten in zwei großen Booten über den Strom geschafft. Der frühe Morgen sah auch uns mit dem Reste des Gepäcks auf dem linken Ufer, in Tikar, unserm eigentlichen Arbeitsgebiet.

Die Straße zwischen Bamum und Ngambe hatte Professor Hassert auf unserer Reise 1908 topographiort; so begannen wir mit Aufnahmen und anderen Wegarbeiten erst von Ngambe an, dessen geographische Breite festliegt. Stunden­lang zogen wir durch sumpfige Wälder, aus denen einzelne Waldriesen in einem Gewirr halbhoher Bäume, dichten Unterholzes und engverstrickter Schling­pflanzen emporstrebten. Oft ging der Weg in sandigen Bachläufen entlang. Beim ersten Sehen erinnerte dieser Flußwald in seinem ganzen Habitus an den dos Küstentieflands. Gerade die ausgedehnte Waldbedeckung mußte uns gleich beim ersten Betreten des Ost-Mbamlandes in die Augen fallen; kamen wir doch aus den waldarmen, verhältnismäßig dürren Hochländern im Dschang- und Bamenda-Bezirk, in denen Holz selbst für den Schwarzen ein Wertgegenstand ist.

Aus dem Wald traten wir auf die offene, verbrannte Baumsavanne; schmale Galeriewälder erfüllten als dunkle Schlangen niedrige Senken. Im dichten Dunst der trockenen Luft sahen wir in der Ferne die zarten Umrisse einzeln stehender, niedriger Berge. Die schwachwellige Ebene liegt in einer Meeroshöhe von 700800 m.

Sehr ermüdet kamen wir spät am Abend des 1. Februar in Ngambe, der ersten großen Tikarstadt an. Unsere Bamumleute aber wollten sofort ihren Lohn und noch in der Nacht bis zum Mbam zurück. So ist es uns fast bei jedem Trägerwechsel ergangen: die Sehnsucht nach der Heimat besiegt beim Neger alle Müdigkeit.

Ngambe ist. für die Arbeiten unserer Expedition ein wichtiger Punkt ge­worden. Wir sind zweimal dahin zurückgekehrt; und wenn man die Tage unseres dreimaligen Aufenthalts zusammenrechnet, kommt ein voller Monat heraus. Zwei unserer tüchtigsten und zuverlässigsten Leute, die 8 und 10 Monate in unseren Diensten standen, stammen aus Ngambe; aus ihren Erzählungen haben wir das meiste entnommen über die Geschichte, das Wirtschaftsleben, die materielle und geistige Kultur dos Tikar-Volkes. Natürlich wurde jede ihrer Angaben durch wiederholtes Fragen bei verschiedenen Leuten nachgeprüft.

Ich will nicht im Laufe der Reiseschilderung immer wieder von diesen ethnologischen Arbeiten im einzelnen berichten und gebe daher gleich hier eine kurze, Darstellung der Ethnologie der Tikar im Zusammenhang. Die ver­gleichende Bearbeitung unserer Erkundungen und der vorhandenen Literatur wird in einem späteren Teil des Reisewerks veröffentlicht werden. In der Hauptsache hat meine Frau diese Erkundungsarbeiten ausgeführt.

Das Volk der Tikar zerfällt in die politischen Gemeinschaften von Bamkin, Bengbeng, Njua, Lomonji, Jakong, Ngambe, Bukamba und Ditam. Über jeden dieser Stämme herrscht ein Häuptling. Als der vornehmste unter