Teil eines Werkes 
T. 1 (1914) Die Reise: Eindrücke und Beobachtungen / unter Mitarb. von Marie Pauline Thorbecke und Leo Waibel
Entstehung
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Die Baniunikultur ist ohne Zweifel eine Mischung aus Elementen des West- und Ost-Mbainlandes und vielleicht gerade dadurch zu so hoher Blüte gelangt. Von jedem der zwei Elemente hat sich das kulturell beste, höchste erhalten, gegenseitig haben sie sich angeregt und befruchtet. Siedelung und Hausbau zeigen ganz den Typus der andern Graslandschaften im Dschang- und Bamenda- Bezirk, nur sind sie durchweg schöner und prächtiger. Die in Bamum zu be­sonderer Höhe gediehene Kunst des Gelbgusses aber stammt aus Tikar, ebenso die Technik der Baum Wollweberei.

Ein jedes Gehöft eines Bamumgroßen, deren viele im Umkreis von einem Tagemarsch um die Hauptstadt, viele aber auch in Fumban selber liegen, ist eine abgeschlossene Welt für sich [Tafel 7]. Der weite, rechteckige Platz ist an der Schmalseite begrenzt durch das stattliche Männerhaus, dessen rote Lehmwände wohl 6 m hoch sein mögen. Rings herum läuft eine Galerie frei­stehender Holzsäulen, die das mit schweren Grasmassen gedeckte Satteldach mit zwei Kuppeln tragen. Zwischen Wand und Dach ist ein kunstvoller, schwarz- gelber Fries eingefügt, dessen Muster meist stilisierte Tierornamente zeigen. Aus naturfarbigem und schwarzgefärbtem Gras, das in dünne Bündel gefaßt ist, werden die Muster mosaikartig hergestellt. Rechts und links umsäumen zwei lange Reihen von Frauenhäusern den Platz, deren jedes nur ein Kuppeldach trägt und viel kleiner ist als das Männerhaus, im übrigen aber genau so schön, kunst­voll und sorgfältig gebaut wird.

Der Bau eines Bamumhauses ist durchaus nicht so einfach, wie man sich das wohl von Negerhütten vorstellt [Tafel 8, Abb. 1]. Die vier beträchtlich hohen Wände werden auf dem Boden liegend hergestellt aus den starken Blatt­rippen der Raphia-Palme, dieser für den Graslandneger nützlichsten Pflanze. Erst wenn jede der vier Wände in sich fest und stabil ist, wozu die Stangen mehrfach gekreuzt werden, richtet man sie auf und bindet sie an den Ecken zusammen, denn der Neger kennt keinen Nagel, er bindet sein ganzes Haus. Eine oben darüber gelegte, gleichfalls aus Raphia-Stangen gebundene, ringsum überragende Decke trägt das Dach, das im Innern durch mehrere Strebewände gestützt wird, damit die schweren Grasmassen die hohe Kuppelform nicht zu­sammendrücken. Erst wenn so das ganze Stangengerüst steht, wird die Wand mit angefeuchtetem rotem Laterit beworfen, werden die starken Holzpfosten, die das Dach stützen, eingesetzt, der Fries verfertigt und die Kuppel von unten nach oben mit riesigen Mengen dürren Grases gedeckt, das man in großen Büscheln in die Zwischenräume zwischen den Dachsparren steckt. Das Männer­haus besteht aus zwei neben einander gesetzten quadratischen Hütten, die beiden Kuppeldächer werden durch ein sattelartiges Zwischendach verbunden.

Wie jeder Bewohner des westlichen Graslands, so ist auch der Bamum er­fahren in der Holzschnitzerei. Auf dem großen Marktplatz in Fumban liegen in weitem Kreis mehrere riesige Trommeln, deren jede 34 m lang und aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt ist [Tafel 8, Abb. 2]. Der Schallkörper ist aus­gehöhlt und am Ende verziert durch eine menschliche Figur in mächtigen Dimen­sionen; trotz der primitiven Werkzeuge, schwacher Schnitzmesser, mit denen die Trommeln hergestellt sind, zeigen sie überraschend feine Arbeit. Alle Trommeln