16 v. Hölmel, Os
vor nicht sehr vielen Jahren viel weiter im Süden in den See mündeten. Das jungvulkanische Material, welches den See im Süden umgibt, warme Quellen, die Kraterinsel und schliefslich der thätige Vulkan deuten auf ein äufserst aktives Vulkangebiet, wo Bodenbewegungen häufig stattgefunden haben dürften. Der Teil der Senke zwischen dem Baringo- und dem Rudolf-See birgt, wie erwähnt, eine Salzsteppe, einen ausgetrockneten See. Es bieten sich indes keinerlei ursächliche Momente, welche das Vertrocknen des Sees erklären könnten. Eine nordöstlich - südwestlich gerichtete Querkette trennt diesen Teil der Senke vom Rudolf- See, welcher, wie wir gesehen haben, einst weniger weit nach Norden reichte und noch immer im Wachsen begriffen ist. Die Annahme, dafs der Rudolf-See einst mit dem ehemaligen See der Sükuta - Salzsteppe in Verbindung gestanden habe, liegt nahe. Der gewaltige x^usbruch des Kuläll, welcher dessen Südwestseite fortrifs, mag die Senke mit der nordöstlich gerichteten Querkette verlegt und damit den See entzweigeschnitten haben. Der südliehe Teil war daraufhin von den hauptsächlich im Norden mündenden Zuflüssen getrennt und damit seinem Schicksale verfallen; das nördliche Seebecken war
atorial-Afrika.
nun zu klein geworden , um die sich gleichbleibende Wasserzufuhr aufzunehmen, und mufste überfluten; und wie man es am Nordende beobachten kann, geht dieser Prozefs noch heute vor sich, bis schliefslich die Oberfläche grofs genug geworden sein wird, um durch Verdunstung der Wasserzufuhr die Wagschale zu halten.
Östlich vom Nordende des Rudolf-Sees in ungefähr 60 km Entfernung liegt ein zweiter See, Stefanie - See benannt. Der Flächeninhalt desselben beträgt 900—1000 qkm, die Niveauhöhe 530 m. Das Wasser des Sees ist untrinkbar salzig. Seine bergige Umgebung ist vulkanischer Natur. Seine Uferränder sind flach und meist ein noch vegetationsloser alter Seeboden; im Osten und vielleicht auch im Norden finden sich schilfige Uferränder. Der See ist von Eischen geradezu übervölkert und beherbergt aufserdem zahlreiche Krokodile; Flufspferde wurden nicht angetroffen. Auf den schroffen, inselgleichen Hügeln im Süden des Sees finden sich zahlreiche Exemplare stark inkrustierter austernartiger Muschelschalen und zwar nur in 20—30 m Höhe über dem See.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dafs der Stefanie- See dem raschen Vertrocknen anheimfällt.
III. Meteorologie und Höhenmessung.
Zu solchen Beobachtungen kamen während dieser Expedition nachfolgende Instrumente zur Verwendung:
1) 6 Aneroide von L. Casella in London;
2) 1 Hypsometer von L. Casella in London;
3) mehrere Thermometer von Kapeller in Wien;
4) 1 Maximum- und Minimumthermometer von L. Casella in London.
Alle Aneroide waren von derselben Gröfse und Ausstattung; zwei derselben (Aj und A la ) zeigten von 790 mm bis 590 mm reichende Barometerstände an, zwei andre (Ag und A 2a ) solche von 600 mm bis 460 mm; A 3 war für solche von 470 mm bis 365 mm und A4 von 365 mm bis 280 mm bestimmt.
Die Aneroide waren in starken, luftdicht schliefsenden Metallbüchsen versorgt und haben während der ganzen Dauer der Reise tadellos funktioniert. Eine Untersuchung der Instrumente nach der Rückkehr war nur bei Aj und A la thunlich; sie wurde sowohl von Seiten des Herrn Direktors der K. K. Meteorologischen Zentralanstalt in Wien,
Hofrat Prof. Dr. J. Hann, als auch vom Abteilungsvorstand des K. u. K. Militär-geographischen Instituts in Wien, Herrn K. u. K. Oberstleutnant H. Hartl, ausgeführt und ergab für beide Instrumente sehr günstige Resultate. Für die Beurteilung der übrigen Aneroide und die Bestimmung der hauptsächlich in Frage kommenden Temperaturkorrektionen derselben boten die gleichzeitig ausgeführten Siedepunktbestimmungen genügenden Anhalt. Die Aneroide waren von der Firma aus wohl nur annähernd, jedoch ziemlich richtig kompensiert.
An der Einteilung waren die Einheiten direkt abzulesen, die Zehntel wurden geschätzt.
Aufser diesen Aneroidbarometern hatte Graf Teleki noch zwei Barometerröhren, System Kapt. King (?), ebenfalls von L. Casella anfertigen lassen, um jeweilig selbst Quecksilberbarometer herstellen zu können; diese, sowie ein zweites sofort nachbestelltes Paar von Glasröhren waren jedoch schon bei ihrer Ankunft in Sansibar zerbrochen und kamen daher nie in Anwendung.