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Ostäquatorial-Afrika zwischen Pangani und dem neuentdeckten Rudolf-See : Ergebnisse der Graf S. Telekischen Expedition 1887-88 / von Ludwig v. Höhnel
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v. Höhnel, Ostäquatorial-Afrika.

I. Orographie.

Denkt man sich vom zentralen Teil Afrikas alle Gebirge entfernt, so erhält man eine Bodenwelle, deren 2200 m hoher Kulminationspunkt sich ungefähr unterm Äquator in 36° Ostlänge von Greenwich befindet. Die äufsersten Randgebiete im Nordwesten und Süden ausgenommen, hat dies seine Richtigkeit für den ganzen Kontinent, und wir sehen auch von der Umgebung jenes ideellen Punktes aus fast sämtliche Gewässer dem Ozean zustreben. Zu dem genannten Kulminationspunkt steigt die Unterlage ver­schieden rasch aus den umgebenden Meeren an. Die Ein­förmigkeit, welche Afrika infolge seines einfachen Aufbaues notwendigerweise in allen Erscheinungen zur Schau tragen mufs, wird durch die weitere vertikale Gliederung wenig verringert. Nach dem heutigen Stande unsers Wissens läfst es sich bereits mit Bestimmtheit behaupten, dafs ver- hältnismäfsig grofsartige Massen- und Kettengebirge fehlen; dagegen wurde durch die neuern Forschungen eine andre Thatsache immer klarer ins Licht gestellt, nämlich die, dafs der Kontinent von Bodensenkungen durchzogen ist, welche alle relativ schmal und lang sind und in ihrem Verlaufe nur wenig von der nord südlichen Richtung ab­weichen. Damit sind der allgemeinen Vorstellung vom tektonischen Aufbau Afrikas viel greifbarere Anhaltspunkte an die Hand gegeben, als die an grofsen Zügen wenig bedeutende, vertikale Gliederung des Landes sie sonst bieten würde. Plateaulandschaften vulkanischer Natur säumen die gesenkten Streifen Landes ein, und zahlreiche Vulkane sie sind fast alle erloschen treten als eigentümliche Er­scheinung fast immer in der nächsten Umgebung derselben auf; es kann jedoch nicht der Zweck dieser Abhandlung sein, die ursächlichen Wechselbeziehungen zu erörtern, in welchen diese Erscheinungen zu einander zu stehen scheinen, und es soll hiermit nur darauf hingewiesen werden. Im Reisegebiet der Graf Telekischen Expedition treten sowohl Senkungen wie vulkanische Erhebungen in grofsartiger Weise auf. Die Bodensenkung zieht sich, soweit unsre Kenntnis von derselben heute reicht, durch den eingangs genannten Kulminationspunkt der Bodenwelle in nordsüdlicher Richtung 11 Breitengrade hindurch, und die Vulkane, welche sich im Bereiche derselben erheben, zählen zu den höchsten Gipfeln des Kontinents; das Gebiet vermag daher als der reichstgegliederte Teil von Afrika ein besonderes Interesse zu beanspruchen.

Die Grenzen, in welchen die nachstehende nähere oro- graphische Beschreibung sich zu halten gezwungen ist, sind durch die Roiitenlinien vorgezeichnet, da mit derselben,

ebenso wie mit den Karten, nur das eigne Beobachtungs­material und keine abgeschlossene Gesamtboschreibung zu geben beabsichtigt ist.

I. Das Küstengebiet.

Auf der Hinreise führte die Route im allgemeinen dem Panganiflufslaufe entlang nach Taweta. Das Inland beginnt rasch anzusteigen; 40 km von der Küste befindet man sich bereits in 250 m, 130 km von der Küste in 550 m und in Taweta, 220 km von der Küste, in 760 m Meereshöhe. Nachdem die schmale korallinische Küstenzone passiert ist, wird das Terrain bald hügelig; es geht zuerst über einen südlichen niedrigen Ausläufer des Usambara-Berglandes im Norden des Tongweberges (K. Weifs 715 m) vorbei, dann dem Fufse des Berglandes entlang weiter. Der Abfall des­selben begleitet die Route bis Maului in geringer Entfernung und stellt sich als steiler, gleichmäfsig hoher Wall von un­gefähr 6- bis 700 m relativer Hohe dar. Von den höhern Berg­spitzen von Usambara bekommt man wenig zu sehen, da sie alle weiter im Innern desselben liegen; eine Ausnahme macht nur im südlichen Teile der Mlingaberg (Dr. O. Baumann 1140 m a. H.), welchen man von Kwafungo und Mruasi aus wahrnimmt. Bis Maului streicht der Abfall von Usambara westnordwestlich; die der Route zugekehrte Seite zeigt nur eine Unterbrechung bei Korogwe, wo das Thal des Luengerabaches mündet. Von Maului an zeigt auch der Abfall die norduordwestliche Streichungsrichtung der Berg­ketten. Das Usambara-Bergland steigt mit der Ebene an, es bleiben sich daher im allgemeinen die relativen Höhen desselben gleich. Der Blick nach Süden und Westen trifft in diesem ersten Teil der Route eine einförmige, wellige Ebene, aus welcher nur zwei bedeutendere Er­hebungen, der Gendagenda in Useguha und der Mgera (Dr. G. Fischer 815 m a. H.), auftauchen; letzterer ist der nördliche Ausläufer der Berge von Ngu.

Von Maului an verläfst die Panganifiufsroute den Fufs der Usambaraberge und verbleibt in 1518 km Entfernung von demselben. Der Ukunga, der Maß und der Ngai, drei isolierte Berge von 3- bis 400 m relativer Höhe, welche dem Usambara-Berglande vorgelagert erscheinen, werden der Reihe nach passiert. Bei Mikotscheni nähert sich die Route dem Südende des Paregebirges; ein 1518 km breiter Steppen­streifen, der in 530m Meereshöhe gelegen ist, trennt die beiden Bergländer. Ziemlich in der Mitte zwischen denselben liegt der Dasaberg, der nach Süden zu schroff abfällt, nach Norden aber in einen langen sanften Rücken ausläuft. Das