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Ostäquatorial-Afrika zwischen Pangani und dem neuentdeckten Rudolf-See : Ergebnisse der Graf S. Telekischen Expedition 1887-88 / von Ludwig v. Höhnel
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14 v. Hölinel, Os

3. Hydrographie des gesenkten Gebietsteils.

Die Seenkette der Grabensenkuug beginnt im Süden, soweit die Erkundigungen reichen, mit einem kleinen Salzsee in 4-±-° Südbreite. In 4° S befindet sich an­geblich ein gröfserer, langgestreckter Salzsee, der Manjara heilst. Seine Uferränder sollen mit einer dicken Salz­kruste bedeckt sein; der See ist bis heute 1 noch un­erforscht geblieben. In dem 40 km langen, von der Maukette und dem Geleiberg bis auf 13 km eingeengten Teil der Senke liegt ein Natronsee; derselbe ist im Jahre 1883 von Dr. G. Fischer, seither jedoch nicht wieder besucht worden. Er wird als ein seichter See oder Morast beschrieben, welcher kohlensaure Natronsalze in grofser Menge aufgelöst enthält und in 650 m Meereshöhe gelegen ist. In seiner Umgebung sprudeln zahlreiche heifse Quellen (5055° C.) hervor. Der wichtigste Zuflufs des Sees ist der vom Norden aus dem Mau-Hochlande kommende Guasso Njiro.

Der im Norden daranschliefsende Teil der Senke ist eine trockne, staubige Salzsteppe, in welcher sich Erkun­digungen zufolge ein kleiner Teich oder See befinden soll. Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs diese Landschaft einst einen bedeutend gröfsern See beherbergte, von welchem der Teich und der Natronsee die letzten noch vorhandenen Reste sind.

Das nächste Glied der Seenkette ist der Naiwascha-See; seine Meereshöhe beträgt 1860 m, die Oberfläche ungefähr 100 qkm. Sein Wasser schmeckt vollkommen süfs. Der Naiwascha, welcher abflufslos ist, erhält zwei perennierende Bäche, den Gilgil und den Murentat; beide entspringen im Hochlande von Leikipia und münden im Norden in den See. Die nächsten Uferränder sind flach und sandig, im Norden und Nordosten schilfbewachsen. Im Südosten ragen meh­rere felsige Inselchen aus dem See; nach ihrer Gruppierung und Form zu urteilen, sind es die Reste eines ge­sunkenen Kraters, von welchem die Ostseite fehlt. Im Norden des Naiwascha befinden sich zwei Bitterseen, die Angata Nairogua und Näkuro Sekeläi heifsen. Der erstere umfafst ca 45 qkm Fläche und ist am Fufse der Dondoleberge in 1840 m Höhe gelegen; zwei in diesen Bergen entspringende Bäche, der Guasso Nagrit im Norden und ein andrer unbedeutender im Osten, speisen ihn. Etwas gröfser als dieser See ist der Näkuro Sekeläi; er liegt am Fufse der Maukette und scheint einen Zuflufs von der­selben zu erhalten.

Von den Subugfabergen (Leikipiaplateau) fliefsen vier kleine Bäche herab, die alle in der Senke versumpfen.

Dann folgt ein langgestreckter, schmaler See, welcher hart am Fufse des steilen Plateauabfalles gelegen und nach seinem Entdecker, dem Bischof Hannington, benannt

quatorial-Afrika.

ist. Die grünliche Färbung seines übrigens klaren Wassers rührt von ganz feinen, staubkorngrofsen Algen her, mit welchen das Wasser vollkommen durchsetzt ist; ein schmaler Saum solcher Algen ist auch am Ufer abgesetzt. Das Nordende des Sees ist niedrig und flach, die Ostseite steilrandiger als die Westseite. Das Wasser schmeckt stark bittersalzig, Salzausschwitzungen sind indes nirgends in der Umgebung vorhanden. Der See wird durch eine Anzahl warmer und kalter Quellen erhalten, die sich hauptsächlich an seinem Südostende befinden; dort soll auch der See eine höhere Temperatur als im Norden haben. Es hat ganz den Anschein, als ob der Hannington- See einst weiter nach Norden gereicht hätte; wahr­scheinlich hat er mit dem nördlicher gelegenen Baringo- See , jedenfalls aber mit der Sumpflandschaft, welche sich zwischen diesen beiden Seen ausbreitet, in Ver­bindung gestanden. Diese Sumpflandschaft besteht aus zwei getrennten Morästen: der südliche wird durch zwei warme Quellen, die am Fufse eines niedrigen Rückens hervorsprudeln, und durch einen am Fufse des Leikipia- Hochlandes entspringenden Bach gebildet; den nördlichen erzeugen der Guasso Njuki, ein jenseit des Äquators in den Maubergen entspringender Bach, welcher einst gewifs in den Baringo-See mündete, heute jedoch denselben nicht mehr erreicht, und noch ein zweiter vom Hochlande kommender Bach. Der 225 qkm grofse Baringo-See liegt in 1115 m Meereshöhe. Drei Bäche, welche stets Wasser führen, münden in denselben: im Süden der Guasso Tigeritsch, der von der Kamassiakette herabgelangt, im Südosten der Guasso BoKo und im Nordosten der Mogodeni- Bach; die beiden letztern, von geringerer Bedeutung, entsendet das Leikipiaplateau. Der Baringo - See ist ab­flufslos, sein Wasser schmeckt jedoch süfs. Die Ufer sind im Westen und Nordwesten felsig, sonst flach, und im Süden mit einem breiten Schilfsaum umgeben. Im See befinden sich mehrere felsige Inseln; die gröfste der­selben ist bewohnt Ihre Gruppierung erinnert, ebenso wie die der Naiwascha - Inseln, an die Reste eines ge­sunkenen Kraters.

Das Flachland im Süden des Baringo-Sees besteht, so­weit es sumpffrei ist, aus einem staubigen, graslosen Lehmboden und ist allem Anschein nach ein alter See­boden; weite Strecken sind noch mit Muschelkonglome­raten bedeckt.

Der nördlichste Teil der Senke birgt den Rudolf-See, das weitaus bedeutendste Glied der Seenkette. Er er­streckt sich in nordsüdlicher Richtung von 2° 17' bis

1 ) J. Thomson nennt sie Kirwan" ; Kirowan, Kirwan be­deutet in der Masaisprache einfachInsel", sowieNaiwascha" allgemein See" u. s. w.