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Ostäquatorial-Afrika zwischen Pangani und dem neuentdeckten Rudolf-See : Ergebnisse der Graf S. Telekischen Expedition 1887-88 / von Ludwig v. Höhnel
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Hydrographie.

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mehrere Süfswassertümpel befinden, welche nur durch unterirdische Quellbäche im stände sein können, ihr Niveau beständig zu erhalten. Ungünstige Drainageverhältnisse scheinen auch auf der Nordost- und Ostseite des Kilima­ndscharo zu herrschen. Die Abhänge sind weit weniger fruchtbar als im Süden, und die Aschenschicht, mit welcher dieselben und die Ebene bedeckt sind, scheint mächtiger zu sein, so dafs die Niederschläge ihren "Weg zumeist unterirdisch nehmen. Selbst nach langandauerndem liegen ist die Ebene schon nach ganz kurzer Zeit wieder trocken. Wie immer es sich aber auch verhalten möge, die That- sache steht fest, dafs aufser dem Rombo nur ganz gering­fügige Wassermengen oberirdisch abfiiefsen. Der Rombo gehört, wie erwähnt, sowohl dem Flufssysteme des Ruvu wie dem des Sabaki an. Neben diesem finden sich noch drei unbedeutende Wasseradern, Useri, Kimangelia und Ngare Rongäi, welche als Tsavo vereint ostwärts in den Sabaki münden. Einen weitern Anhaltspunkt für die Folgerung, dafs die Verhältnisse im Osten und Norden ähnliche sein müssen, finden wir in mehreren sumpfigen Mulden in der welligen Landschaft der Umgebung haupt­sächlich zwischen Rombo und Useri.

Das metainorphisohe Bergland zwischen dem Kilima­ndscharo und dem Leikipiaplateau ist aufserordentlich trocken; in demselben entspringen nur ganz unbedeutende Bachläufe, welche, bald nachdem sie die den Bergfufs umgebende Ebene erreicht haben, versiegen.

2. Hydrographie des Leikipiaplateaus und des Kenia.

Dieses Quellengebiet wird im Osten vom Sabaki und Tana, im Westen von einer kleinen Zahl unbedeutender Bäche, welche in die Senke gelangen, entwässert; letztere wollen wir später anführen.

Der unter dem Namen Kaja bekannte Oberlauf des Sabaki vereinigt die vielen südöstlich gerichteten Bäche, welche der Doenje Lamujo und der Südosthang des Plateaus entsenden. Nach einem nordöstlich gerichteten Laufe umfliefst der Kaja den Berg Kjandschabi im Norden und wendet sich dann der Ost­seite des Ulu-Bergiandes entlang nach Süden; der südsüdöst­lich gerichtete Mittellauf heifst Azi, und der östlich und südöstlich fiiefsende Unterlauf bis zur Mündung bei Malindi Sabakifiufs. Das Ulu-Bergland trägt kaum etwas zur Ver- gröfserung des Azi bei, denn die wenigen Wasserläufe, die daselbst entspringen, versiegen stets, bald nachdem sie aus den Bergen herausgetreten sind; nur zwei salzige, aus den südlichen Ulubergen kommende Bäche erreichen den Azi auch zur trocknen Jahreszeit. Der Tsavo, dessen Quellen wir bereits kennen gelernt haben, und wahrscheinlich auch der Voi sind die hauptsächlichsten Beiträge, welche der Azi-Sabaki auf der rechten Seite erhält. Auf der linken

Flufsseite erhält er vier Zuflüsse, Zua (Nsua), Muj, Tiwwa und Ndeo, über deren Verlauf und Wassermengen jedoch wenig bekannt ist. Im Mittellaufe durchfliefst der Azi eine flache Mulde, welche zwischen der östlichen Alt- dachung des Ulu - Berglandes und den Rändern einer weiter östlich sich erhebenden Plateaulandschaft gelegen ist. Die Farbe des Wassers soll trübbraun und sein Bett tief in den Alluvialboden eingeschnitten sein, so dafs es schwer fällt, zum Wasser zu gelangen; der Mittellauf ist deshalb auch gröfstenteils unbewohnt.

Ein breiter, ostwestlich gerichteter Rücken, welcher sich zwischen den Keniafufs und den Kjandschabiberg einschiebt, bildet die Wasserscheide zwischen dem Sabaki und dem Tana.

Die Quellbäche des Tana entspringen im Süden und Osten der Aberdarekette und am Kenia; sie umfliefsen diesen Berg im Süden und im Norden, vereinigen sich im Osten und bilden den Tana. Siebzehn grofse, von der Aberdarekette, und eine Anzahl vom Kenia kommende Bäche vereinigen sich zum südlichen Hauptquellflufs, der den Namen Sagana führt. Dieser verfolgt zuerst eine östliche, dann bis zur Vereinigung mit dem nördlichen TanaquellllusKe eine nordöstliche Richtung und mufs in diesem Teile des Laufes eine Reihe grofsartiger Kaskaden und Wasserfälle bilden, da er bis zur Vereinigungsstelle ein Gefälle von 1300 m zu überwinden hat.

Die östlichen Abflüsse der Aberdarekette, 13 an der Zahl, der vom Kopekope-Sumpf kommende Guasso Narök und der am Fufse der schroffen Keniaspitze entspringende Guasso Njuki vereinigen sich zum Guasso Njiro. Dieser fliefst meist in einem felsigen, oft tief eingeschnittenen Bett dem Ostrande des Leikipiaplateaus entlang bis 0° 45' N. In diesem, in gerader Linie 90 km langen Laufe hat er ein Gefälle von 800 m und rauscht, zwischen steilen Uferwänden eingeschlossen, über Kaskaden und Strom­schnellen stets mit gewaltiger Strömung dahin. Das Flufs- bett nimmt nördlich von der Mündung des Guasso Narök eine äufserst interessante Gestaltung an. Der sonst 8-12 m breite, tiefe, wasserreiche Flufs schäumt da wie ein Mühlbach durch einen nur 2 2-f- m breiten Felsspalt hindurch; die Länge dieses Spaltes ist nicht genau be­kannt, mufs jedoch 1 2 km betragen. In 0° 45' N wendet sich der Bergstrom 35 km weit nach Osten und fliefst mit viel geringerer Strömung; dann soll er nach SO sich wenden und im Unterlaufe den See oder Sumpf Loriän bilden, dessen Ausflufs sich dann mit einem be­deutenden Keniaflusse, dem Guasso Nagüt, vereinigen soll. Die derart vereinigten nördlichen Quellbäche bilden unter dem Namen Kilaluma den nördlichen Hauptzufluls des Tana, welcher nach einem östlich und später südöstlich gerichteten Laufe bei Witu (2-i-° S) den Ozean erreicht,