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Ostäquatorial-Afrika zwischen Pangani und dem neuentdeckten Rudolf-See : Ergebnisse der Graf S. Telekischen Expedition 1887-88 / von Ludwig v. Höhnel
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v. Höhnel, Ostäquatorial-Afrika.

Süden in so steilen Felswänden ab, dafs Schnee nur an günstigen Stellen haften bleiben kann; der Berg beifst deshalb bei den Masai Doenje Egere, d. h. gefleckter Berg. Kenia, was ganz allgemeingrofser Berg" be­deutet, nennen ihn die Wakamba, Kilimara die Wakikuyu. Der höchste Zacken des Gipfels ist auf ca 100 m Tiefe entzweigespalten und ragt in zwei felsigen Säulen auf; der Missionar Krapf mag dieselben vielleicht unter den beiden Hörnern", mit welchen er sie gekrönt sein läfst, verstanden haben, da man den Spalt nur von einem südlich gelegenen Ort aus gut beobachten kann; doch ist die Erscheinung, aus der Perne betrachtet, wenig grofsartiger Natur. Auch eine den hohen Gipfeln im Südwesten vorliegende Felspyramide könnte Krapfs Charakterisierung des Kenia erklärlich erscheinen lassen. Die Nordseite des Gipfels geht mit sanftem, schneebe­deckten Gehängen in die Kraterwand über; dieselbe erhebt sich an der Nordostseite nochmals und bildet eine niedrige, gerundete Kuppe, zeigt im weitern Verlauf jedoch keine irgendwie auffallenden Erhabenheiten. Schmarotzerkegel finden sich an den Keniahängen in geringerer Zahl als am Kilimandscharo.

5. Das metamorphische Bergland nördlich vom Kenia und östlich vom Leikipiaplateau.

Von dem Nordfufse des Kenia und dem Ostrande des mittlem Teils des Leikipiaplateaus eingeschlossen liegen sich ungefähr bis 2\° N, bis zum Kulällberg. Die wieder Urgebirgsformationen zu Tage und erstrecken vulkanische Decke reicht verschieden weit nach Osten. Im Süden bildet der Guasso Njiroflufslauf ihre Ostgrenze; demselben entlang folgt sie bis zur Lengijukette. In diesem nördlichen Teile umfafst das vulkanische Plateau die meta­morphische Loroghikette, wird weiterhin schmäler und er­streckt sich erst wieder beim Njiroberg bis an den Westfufs des letztem, um weiter im Norden in die Umgebung des Kuläll- berges überzugehen. Das südlichste Glied des aus kristalli­nischen Gesteinsarten bestehenden Berglandes bildet der Doenje lol deika, eine Bergkette von 3- bis 400 m relative Höhe, welche vom Nordfufse des Kenia ausgeht und in nordöstlicher Pachtung streicht. Der Name bedeutetZopf­berg" , und wird diese Bergkette von den Masai deshalb so genannt, weil sie von Westen aus betrachtet wirklich den Eindruck eines Zopfes, der vom Kenia, dem Haupte, ausgeht, erweckt. Dafs der Doenje lol deika aus kristal­linischen Gesteinsmassen besteht, ist nur eine Vermutung, zu welcher die im Westen desselben gelegene Landschaft Gadormurtu verleitet, weil diese metamorphischer Natur ist und dabei dieselbe charakteristische Physiognomie wie

jenes Gebirge zeigt. Sie besteht aus zerstreuten schroffen Gneifshügeln, die sich wie Felsriffe und Inseln aus einem Sandmeere erheben, und erstreckt sich, dem Ost­rande des Plateaus folgend, weiter nach Norden; die Hügel werden höher, wachsen zu 2 - bis 300 m hohen Bergen an, rücken dichter aneinander und bilden ein niedriges, aber schwieriges Bergland. Die Grenze der vulkanischen Decke läfst sich am Ostrande leicht haar­scharf ziehen, und man hat häufig die Gelegenheit, zu beobachten, dafs sich die metamorphische Unterlage in gleicher Weise unter der Aschen - und Lavadecke weiter nach Westen und Norden erstreckt. Die Loroghikette ist auf allen Seiten vom Leikipiaplateau umgeben, welches an ihrem Fufse eine Meereshöhe von 2300 m erreicht. Sie besteht aus einer ungefähr 60 km langen einfachen Bergkette, die mit ziemlich gleichmäfsiger Höhe in Nord­west zu West streicht. Der Verlauf ihrer Mulden und Thäler nimmt dieselbe Richtung, während die oft tiefen, schluchtartigen Pisse, welche das umgebende vulkanische Plateau durchziehen, stets senkrecht zur Richtung der Bergkette verlaufen. Unter dem NamenGeneral Mathews- Kette" ist eine Reihe sich aneinanderschliefsender Berg­ketten zusammengefafst, welche im Norden im Njiroberg endigten und südsüdöstlich bis zu ihrem Anschlufs an den Doenje lol deika streichen. An den Njiroberg reihen sich im Süden vier Bergketten an, welche die einheimischen Namen Saddim, Doto, Murkeben und Lengiju tragen; weiter­hin besteht die Bergkette aus einer Reihe mehr vereinzelt stehender Berge, unter welchen der Ngarroniberg eine absolute Meereshöhe von mindestens 2000 m erreicht. Die relativen Höhen der General Mathews - Kette bleiben sich fast im ganzen Verlaufe gleich, die absoluten wachsen jedoch von Süden nach Norden von 2000 m bis zu 3000 m des Njirogipfels an. Die weitere Landschaft im Osten soll vollkommen flach sein, doch ist nichts Näheres darüber bekannt. Nach einer beschränkten Femsicht, welche die Unterbrechung in der Kette zwischen dem Njiroberge und der Saddimkette ermöglichte, zu schliefsen, scheint sich die flache Landschaft nach Osten rasch abzudachen. Zwischen der Matthews-Kette und den westlichen Plateaus breitet sich eine mit vereinzelten Hügel- und Bergformen bedeckte niedrige Gegend aus.

Der Njiroberg bildet einen breiten und langen nord­südlich gerichteten Rücken von ziemlich gleichmäfsiger Höhe, dessen höchster Gipfel (3000 m) sich wenig auf­fallend abhebt. Seine Gehänge fallen im Süden und Westen sehr steil ab, weniger im Norden. Seinem Süd- fufse sind einige Berge und Hügelgruppen vorgelagert, seiner Ostseite der felsige und zerrissene Loldiboberg (2700 m a. IL).