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Ostäquatorial-Afrika zwischen Pangani und dem neuentdeckten Rudolf-See : Ergebnisse der Graf S. Telekischen Expedition 1887-88 / von Ludwig v. Höhnel
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Orog

7. Bodengestaltung im Osten des Rudolf-Sees.

Die nordwärts der Mathewskette gelegenen Bergland­schaften sind wieder vulkanischer Natur. Die Bergreihe wird durch den Kuläll, einen erloschenen Vulkan, eröffnet. Derselbe erhebt sich im Osten des südlichsten Teils des Rudolf- Sees auf einer Basis, welche an Fläche jener des Kilima­ndscharo beinahe gleichkommt, jedoch nur 1200 m hoch ist; die Seiten dieser flachen Bergpyramide steigen unter einem äufserst geringen Neigungswinkel an; den Gipfel, welcher eine absolute Höhe von 1600 m erreicht, bilden die Überreste eines eingestürzten Kraters. Die Südwest­seite des Berges ist fast bis zur Basis zerspalten, der Westfufs , dem eine Anzahl höherer Schmarotzerkegel aufsitzen, hat sich gesenkt und erstreckt sich nunmehr als selbständiger Rücken dem Seeufer entlang. Die Bruch­richtung und -stelle lassen sich am Kulällbergfufse deutlich er­kennen. Der gesenkte Bergteil ist von mehrfachen Reihen tiefer Längsschluchten durchschnitten. Im Südosten und Osten geht der Fufs des Kuläll in die weithin überseh­bare, ganz flache Landschaft Samburu über.

Von der Reiseroute aus, welche dem Seestrande entlang führte, war wenig Einblick in die Natur der weiter ost­wärts gelegenen Gegenden geboten. Niedrige Höhenzüge, die stellenweise wie langgestreckte Rücken, dann wieder wie die Abfälle von Tafelbergen und Plateaus aussehen, begleiten den See in wechselnder Entfernung. In 3° 20' Nordbreite beginnt ein niedriger, jedoch senkrecht ab­stürzender Plateaurand sich deutlich abzuheben; derselbe verbleibt in ungefähr 35 km Entfernung vom Seestrande und zieht erst im Süden des Stefanie-Sees ostwärts gegen die Trrberge. Zwischen diesem Plateaurande und dem Rudolf-See breiten sich flache Lehnen, Rücken, isolierte niedrige Erhebungen, darunter Tafel- und Kegelberge aus. Ein derartig gestaltetes, vom Seestrande an nach Osten zu ansteigendes Bergland füllt auch den Raum zwischen dem Rudolf- und Stefanie-See aus; dasselbe erreicht in der dem Westufer des Stefanie-Sees entlang laufenden Bergkette seine gröfste Höhe und fällt im Osten ziemlich steil zum See ab. Die Richtung der Rücken und Thäler diesesAmärr" genannten Berglandes ist nicht nordsüdlich, wie in der süd­lichem Uferlandschaft, sondern zumeist nordost-südwestlich. Die westliche Stefanie-See-Kette nimmt von Süden nach Norden an Höhe zu und dürfte absolute Höhen bis zu 1100 1300 m erreichen. Die der Ostseite des Sees ent­lang streichenden Trrberge, deren absolute Kammhöhe im Süden ca 1600 m, im Norden etwas weniger betragen dürfte, können ebensowohl eine Bergkette, wie den Steilabfall eines Plateaus, d. h. die Fortsetzung des südlichem Plateau­randes vorstellen. Im Süden ist den Trrbergen eine Gruppe schroffer Berge und Hügel vorgelagert. Der Djiwis-

v. Höhnel, Ostäquatorial-Afrika.

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berg (a. H. 1600 m), welcher als Südende der Trrberge er­schien, hat gerundetere Formen und sanftere Gehänge, als sie im allgemeinen den übrigen Erhebungen eigentümlich sind. Noch weniger als diese ist die Natur der im Norden des Stefanie-Sees sichtbar werdenden Gebirge bekannt. Eine Kette, welche im Nordosten der Trrberge zum Vorschein kam, stellte sich als ein gewaltiger Höhenzug von mindestens 2200 m absoluter Höhe dar.

8. Der gesenkte Teil des Gebiets 1 ).

Es wurde bereits in den einleitenden Worten zu diesem Kapitel der Thatsache Erwähnung gethan, dafs der afri­kanische Kontinent in auffallender Weise von grabenartigen Bodensenkungen durchzogen ist. In dem Reisegebiet, von welchem hier näher die Rede ist, tritt diese Erscheinung in ebenso grofsartiger wie auffallender Weise zu Tage. Dieselbe erstreckt sich nach dem heutigen Stande uusrer Kenntnis von 5y° S bis 6° N, ist der Hauptsache nach meridional gerichtet und zieht ungefähr in 36° östl. L. von Greenw. durch unser Gebiet.

Die Senkungen fanden zu verschiedenen Zeitpunkten und nicht überall im gleichen Mafse statt, so dafs das Grabenartige in ihrer Erscheinung nicht in dem ganzen Verlaufe gleich stark auftritt, um so mehr, als die Breite des gesunkenen Terrains eine sehr wechselnde ist. Ein weiterer Umstand, der störend wirkt, sind die Verwerfungen und vulkanischen Bildungen, welche sich im ganzen Verlaufe der Senke finden, und welche um so häufiger sind, als der ge­senkte Teil gleichzeitig das jüngste und thätigste Vulkan­gebiet des afrikanischen Kontinents war und noch ist. Im allgemeinen bilden Plateauränder die mehr oder minder scharf ausgedrückte Begrenzung der Senke, deren Verlauf durch eine Reihe von Seen bezeichnet wird.

In 5° S ist die "Überhöhung der Ränder im Ver­hältnis zur Breite des gesenkten Teils gering, es kommt das Grabenartige der Erscheinung daher weniger zum Ausdruck; ebenso im daranschliefsenden Teile, welchen breite vulkanische, vom Meruberg ausgehende Rücken zum Teil ausfüllen. Hierauf gelangen wir jedoch zu einer 40 km langen Strecke, welche durch die Mau­kette und den 4000 m hohen Geleiberg bis auf 13 km eingeengt ist. In dem zwischen 1° 25' S und 1° N gelegenen Teile der Senke stehen sich die beiderseitigen Ränder, im Osten der Abfall des Leikipiaplateaus, im Westen die Mau- und Kamassiaketten, in 30 km Ent­fernung gegenüber. Die relativen Kammhöhen der diesen Teil der Senke begleitenden Abfälle betragen im Süden 400 m, wachsen jedoch im mittlem und nördlichen Teile

l) Vgl. dazu auch Taf. 14 in Peterraanns Mitteilungen 1889.

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