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Ostäquatorial-Afrika zwischen Pangani und dem neuentdeckten Rudolf-See : Ergebnisse der Graf S. Telekischen Expedition 1887-88 / von Ludwig v. Höhnel
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wurde. Nach diesen beiden Seiten ergofs sich auch der Lava- und Schuttstrom, welcher den Vulkanfufs auf allen Seiten umgibt, hauptsächlich aber in der Richtung zum See hin und zwar bis an dessen Uferrand in einer 5 10 m hohen Schicht sich erstreckt. Die Lava ist schwarz und läfst aus der Form der Windungen schliefsen, dafs es eine zähflüssige Masse gewesen sein mufs, in wel­cher sich beim Erstarren grofse Blasenräume bildeten. Die Ränder des Kraters sind mit lebhaft orangeroten Efflores- zenzen bedeckt. Ganz schmale, klaffende Sprünge zeigen sich sowohl an den nördlichen und südlichen Abhängen des Vulkans, wie auch im ebenen Terrain in seiner Umgebung. Aufser diesem thätigen Vulkan gibt es noch mehrere erloschene Krater im Südwesten desselben, sowie einen von abgezirkelt kreisrunder Form, der sich als Halbinsel am Rudolf-See- Ufer erhebt; seine Gehänge sind mit gelbgrün gefärbter Asche bedeckt. Nach den Erzählungen unsrer Somaldiener, welche bei ihrer Exkursion im Vulkangebiet eine andre Rich­tung als wir eingeschlagen hatten, befindet sich knapp am Seeufer ein offner Feuerherd im ebenen Terrain, in welchem das Magma noch brodelt und kocht; doch entsteigen ihm keinerlei Dämpfe.

Der weitere Verlauf der Senke wird durch den Rudolf- See gekennzeichnet. Aus der Farbe des Wassers läfst sich auf die Tiefe des Seebodens schliefsen. Im Süden ist sie bedeutend, von 3° N an aber bekommt das Wasser eine gelbliche Lehmfarbe, und der Seeboden steigt rasch nach Norden an.

Im Vorhergehenden haben wir den Verlauf der Haupt­senke kennen gelernt; aufser dieser lassen sich aber nördlich vom Äquator noch zwei weitere, parallele Nebenfurchen be­obachten. Die Tiefenlinie der einen wird durch den Lauf des Trrguell, die der andern durch den Lauf des Kerioflusses bezeichnet. Es wurde bereits erwähnt, dafs vom Äquator an die Kamassiakette an Stelle der Mau­kette die Begrenzung der Senke bildet; letztere setzt sich von da an in nordnordwestlicher Richtung als Elgejo-,

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dann als Sukkette fort. In ungefähr 2° 40' N erhält sie den Namen Karamoyö-Gebirge und streicht als solches in mehreren Bergzügen wieder nordnordöstlich. Im nörd­lichsten Teile des Rudolf-Sees tritt es als steiler Abfall ganz nahe an das Seeufer heran und bildet die Begrenzung des nunmehr wieder zu einem einzigen Grabetiverlauf ver­einten Senkungsgebietes. Der südlich von 2° 40' N ge­legene Teil des Hochlandes erscheint als bergiger Steil- abfall mit sehr bewegter Kammlinie von 2000 2500 m absoluter Höhe; ob derselbe jedoch den Abhang einer Berg­kette oder den Rand eines nach Westen zum Viktoria- Nyanza abdachenden Plateaus vorstellt, ist mehr als fraglich. Die Karainoyo-Ketten, welche wie Reihen von hintereinander sich auftürmenden Bergketten aussehen, lassen es noch glaubwürdiger erscheinen, dafs wir es hier mit dem stufenförmigen Abfall einer westlichen Plateaulaudschaft zu thun haben; auch Emin Pascha erhielt über die östlich der ehemaligen ägyptischen Äquatorialproviuz gelegenen Gebiete die erkundete Nachricht, dafs sie in Terrassen nach Osten abdachen.

Das westliche Randgebirge tritt in 4° 30' N vom Seeufer zurück, streicht für eine kurze Strecke nord­nordwestlich, vom Durchbruch des Bafsflusses an jedoch nordöstlich. Die nördlich von 5° N gelegenen Höhenzüge bilden weiterhin kein ununterbrochen sich fortsetzendes Randgebirge, sondern bestehen aus mehr vereinzelten, staffeiförmig angeordneten, nordöstlich streichenden Berg­zügen von durchschnittlich 600 800 m relativer Höhe. Aus der flachen Landschaft nördlich vom Rudolf - See er­hebt sich der mit mehreren, 400500 m hohen konischen Gipfeln gekrönte Nakuaberg als einzige bedeutendere Erhebung.

Uber den weitern Verlauf der Grabensenkung läfst sich nur vermuten, dafs sie weiterhin langsam ansteigt, eine Tendenz, welche bereits im Rudolf-See-Becken sich bemerkbar macht.

II. Hydrographie.

Die gewaltigen Gebirge, welche die Einförmigkeit der ostafrikanischen Bodenwelle unterbrechen, müssen die hydro­graphischen Verhältnisse wesentlich beeinflussen; dennoch tritt uns darin eine dem regelmäfsigen Aufbau des Landes entsprechende, höchst einfache Gesetzmäfsigkeit entgegen. Es ist selbstverständlich, dafs die Plateauabfälle und Rand­gebirge, welche den gesenkten Gebietsteil von 5|° S bis

6° N umsäumen, eine unüberschreitbare Schranke für ost­westlich gerichtete Flufsläufe und im allgemeinen eine eben­so lange Wasserscheide zwischen dem Indischen Ozean und den zentralafrikanischen Seen und Flulsgebieten bilden müssen; gleichzeitig mufste die eigenartige Tektonik die Ent­stehung einer Reihe abflul'sloser Seebecken bedingen.

Die grofsen schneebedeckten Berge sind offenbar die

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