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Ergebnisse einer Reise durch das Zwischenseengebiet Ostafrikas 1911 : mit Beiträgen mehrerer Fachmänner, 8 Bildertafeln und 4 farbigen Karten / von Hans Meyer
Entstehung
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ja in unsrer eignen ostafrikanischen Küste, wo infolge positiver Strandverschiebung das Meer ins Land vordringt, die breiten Talstücke der untersten Fluß­strecken unter Seewasser setzt, so daß tief eingreifende Buchten entstehen, und die Flüsse zurückstaut, so daß sich die Täler teils mit Flußsedimenten auffüllen, teils in ihren Unterläufen zu seitlichen kleinen Seen überlaufen.

Wie dort vom Meerwasser, so sind hier im Quarzit-Tonschiefergebiet die meisten Talsohlen von Sümpfen und von jungem Schwemmland der Bäche und Flüsse angefüllt. Man erkennt überall, daß sich der Abfluß der Gewässer neuerdings sehr ver­langsamt hat, daß der Fortschritt der jung begonnenen Bach- und Flußerosion ins Stocken geraten ist. Die Ursache dieser Stockung sehe ich einerseits in den Niveauänderungen der Bruchschollen, anderseits darin, daß der Victoriasee durch die jungvulkanische Barre, die ihn auf der Nordseite abdämmt, aufge­staut worden ist, und daß dadurch das Seeniveau gestiegen, also eine junge Hebung der Erosions­basis aller in den See mündenden Flüsse und Nebenflüsse eingetreten ist. (Vgl. oben S. 24.)

Viel lebendiger ist dagegen die Erosionstätigkeit in dem sich über das Tonschiefer-Quarzit-Gebiet be­trächtlich erhebenden archäischen Randgebirge Ruandas und Urundis, also auch im Muwissi--

harogebirge, geblieben, soweit hier die Erosion die Täler nicht bereits bis nahe auf das Niveau des Kagera, des Hauptzuflusses des Victoriasees, einge­schnitten hat, wie im unteren Njawarongo und unteren Akanjaru. Das ganze Gebirge der Primär­formation ist daher viel stärker zerschnitten als das östliche Tonschiefer-Schollenland; die Taldichte ist enorm, die Bewegung der Gewässer im ganzen viel größer als dort. Es ist ein gehobenes Rumpfgebirge, das sich im Erosionszyklus dem Stadium der Reife nähert, ein breit aufgewölbtes Faltungsland (große Antiklinale), das früher eine Rumpffläche war, und in­folge erneuter Hebung von den verjüngten Erosions­kräften stark zerschnitten ist. (Passarge, Physio­logische Morphologie; Mitteil. d. Geogr. Gesellsch. in Hamburg 1912, S. 264 ff.) Es ist eine stark zer­schnittene Berglandschaft mit Kerb- und Sohlen­tälern, mit vorwiegend langgestreckten Zwischental- rücken und -wellen und verhältnismäßig nur wenigen hochragenden Gipfeln.

Ich werde in meinem späteren Reisewerk der Schilderung der Landschaftsformen und ihrer Ab­hängigkeit vom geologischen Bau, vom Klima bzw. Klimawechsel, von der Vegetationsdecke usw. ein besonderes Kapitel widmen. Für den gegenwärtigen Zweck genüge die vorstehende allgemeine Umriß­skizze.

5.

Süd-Ussagara.

Von Oberleutnant Tiller. (Dazu die Karte III und die Bildertafel 6.)

Es ist eigentümlich, daß das Gebirgsland von Süd-Ussagara, welches viele Reisende durch seine erfrischende Bergluft, durch seinen immer­grünen Höhenwald und seine saftigen Grasmatten erfreut hat, in den letzten Jahren so stark vernach­lässigt worden ist.

Das letzte veröffentlichte Kartenmaterial über dieses Gebiet stammt aus dem kartographischen In­stitut von Dietrich Reimer, vom September 1904. Diese Karte gibt in groben Zügen das Relief dieses Gebirgslandes wieder. Man glaubt aber, ein plateau­artiges Hochland vor sich zu haben, das durch Ero­sion noch wenig angegriffen ist, während in Wirk­lichkeit Süd-Ussagara ein stark zerklüftetes Gebirgs­land mit tief eingeschnittenen, oft schluchtenartigen Tälern ist.

Nach dem September 1904 hat in erster Linie Herr Bezirkshauptmann Sperling in Mpapua sehr viel für die Topographie dieses Gebirgslandes

beigetragen, soweit dasselbe im Bezirk Mpapua liegt. Eine große Anzahl Routen liegen von der Hand dieses gewandten Topographen vor und haben bei der Herstellung unsrer Karte Verwendung ge­funden. Herrn Bezirksamtmann Sperling spreche ich an dieser Stelle meinen besten Dank aus, daß er für die Herstellung dieser Spezialkarte sein Ma­terial zur Verfügung gestellt hat.

Herr Geheimrat Professor Dr. H a n-s Meyer, Herr Dr. Hon y und ich hatten, von den Virunga- Vulkanen und den großen zentralafrikanischen Seen kommend, Mpapua mit der Zentralbahn erreicht. Herr Professor Meyer konnte an der Bereisung von Süd-Ussagara nicht mehr teilnehmen und beauf­tragte Herrn Dr. Houy und mich, diesen letzten Abschnitt seiner Expedition allein auszuführen.

Unmittelbar nördlich von Mpapua streben die Itumba-Bergc (Nord-Rubeho-Berge) hoch empor, während im Süden, jenseits der Talsenke des Mu-

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