Druckschrift 
Ergebnisse einer Reise durch das Zwischenseengebiet Ostafrikas 1911 : mit Beiträgen mehrerer Fachmänner, 8 Bildertafeln und 4 farbigen Karten / von Hans Meyer
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

Karagweletite angesiedelt; die Wariyaruanda aber gehen nicht in die Niederung, weil sie krank werden. Der Seesiedler sind es auch nur wenige. Sie bauen in der Seenähe etwas Bananen, Maniok, Sorghum, Bohnen und haben ein wenig Kleinvieh. Auf dem See, der sehr fischreich ist, fahren sie mit einigen Einbäumen und fischen mit Netzen und Angeln. Im

See gibt es nur wenige Krokodile, aber viele Nil­pferde und an sowie auf dem Wasser zahlreiche Schwimm- und Watvögel.

Der See selbst mit seiner Bewohnerschalt ähnelt also dem Burigisee (S. 15) und leider hat er auch ebensowenig wirtschaftlichen Wert wie jener.

Der Vulkan Niragongo in Nordwest-Ruanda.

Von Ha 11s Meyer. (Dazu eine Textkarte des Vulkans und die Bildertafel 3.)

Der Vulkan Niragongo liegt am Nordufer des Kiwusecs in Nordwest-Ruanda unter i° 32' s. Br. und 29° 15' ö. L., 19 km direkt nördlich von der deutschen Grenzstation Kissenji. Obwohl von einem Deutschen entdeckt (Stuhlmann 1891), von einem Deutschen zuerst bestiegen (Graf Götzen 1894), von Deutschen näher untersucht und jahrelang von den deutschen Karten in unser ostafrikanisches Schutz­gebiet mit einbezogen, ist der Berg doch durch den Deutsch-Belgischen Grenzvertrag vom 11. August 1910 der Belgischen Kongokolonie zugeteilt worden. Die Grenze läuft südöstlich von ihm auf den Gipfel des Karissimbi zu, so daß die Vulkanberge Nira­gongo, Namlagira und Mikeno ganz, die östlicheren mit ihren Nordhälften im belgischen Gebiete stehen.

Der Niragongo gehört der rund 100 km langen Reihe der Virunga -Vulkane an, die von ONO nach WSW gerichtet ist und sich in 3 deut­lich geschiedene Gruppen gliedert, jede mit 3 Bergen. Die Ostgruppe bilden die auf einer Ost-West-Linie stehenden Kegelberge Muhawura (4165 m), Mgahinga (3525 m) und Sabinjo (3704 m). Die Mittelgruppe setzt sich aus den in einem Drei­eck beieinander stehenden Bergen Wissoke (3660 m), Mikeno (4380 m) und Karissimbi (4506 m) J ) zu­sammen, und die Westgruppe aus den ein doppelt so großes Dreieck bildenden Stumpfkegeln Nira­gongo (3454 m nach H. Meyer, Südsüdwest-Rand; 3469 m nach Thevoz, 3391 m nach Weiß), Namlagira (3052 m) und dem Adolf-Friedrich-Vulkan (1827 m). Jede Gruppe steht annähernd 22 km von der andern ab.

Die von den Vulkanen und ihren Lavafluten be­deckte Fläche umfaßt etwa 3000 qkm; sie erstreckt sich vom Nordrand der Schieferberge Ruandas nordwärts bis in die Gegend der belgischen Station

») Nach der neuesten Karte der Grenzexpedition 191 r, von Thevoz, S.chlobach, Fonck, Bastien.

Rutscburru und von den Ndorwabergen im Osten bis zum hohen Westrand des Zentralafrikanischen (irabens im Westen bzw. bis weit unter die Wasser­fläche des Kiwusecs im Südwesten. Zahlreiche Bäche und Flüßchen sind durch die große vul­kanische Aufschüttung teils aus ihrer ursprünglichen Laufrichtung in eine andere, oft entgegengesetzte abgelenkt, teils auch zu Sümpfen und Seen an­gestaut worden, von denen einige abflußlos sind; und im Zentralafrikanischen Graben selbst sind die Gewässer durch die Vulkane im Norden abgedämmt worden, so daß der Kiwusee entstand, der sich später einen Abfluß nach Süden (Russissi) schuf.

Betrachtet man alle diese Vulkane auf ihre Gestalt und ihren Erhaltungszustand hin, wie ich es im August 1911 tat, so fällt einem beim Ver­gleich sofort in die Augen, daß der Sabinjo aus der Ostgruppe und der Mikeno aus der Mittel­gruppe am stärksten durch Verwitterung, Denudation und Erosion zerstört sind. Da sie beide nicht aus losen Eruptionsmaterialien aufgetürmte Schicht­vulkane, sondern durch einheitlich aufquellende Laven emporgewachsene homogene Massenvulkane sind (der Sabinjo aus Trachyandesit, der Mikeno aus Trachyandesit und darauf folgenden Leucitit- ergüssen), so muß relativ lange Zeit vergangen sein, ehe an ihren sehr widerstandsfähigen Gesteinsmassen so tiefgreifende Zerstörungen durch die atmo­sphärischen Kräfte angerichtet werden konnten.

Beträchtlich jünger als diese beiden sind der Gestalt, dem Erhaltungszustand und der geologischen Zusammensetzung nach der Karissimbi und der Wissoke aus der Mittelgruppe sowie der Mgahinga und der Muhawura aus der Ostgruppe, von denen der Wissoke, der Mgahinga und der Muhawura kleine Gipfelkrater haben, während der Karissimbi ein kraterloser Kegel ist, aber an seinem Südhang zwei große parasitäre Krater besitzt. Alle diese