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7. Die Hauptstation Ho.
Unsere Norddeutsche Mission hat zur Zeit fünf Hauptstationen im Ewe-Lande: Die beiden Küstenstationen Keta und Lome, die beiden Bergstationen Amedzowe und Agu und in der Mitte Ho. H o kann aber noch im besonderen Sinne den Namen einer Hauptstation beanspruchen. Bleibt Keta als Ausgangspunkt der ganzen Arbeit auch die Mutterstation, so ruht doch zur Zeit das Schwergewicht der Missionstätigkeit in Ho. Auch jetzt, nachdem einige Plätze an die jüngeren Stationen Amedzowe und Agu abgegeben sind, zählt der Bezirk im deutschen und englischen Gebiete 17 Außenplätze mit 1439 Christen und 546 Schulkindern, umfaßt also die Hälfte unserer ganzen Ewe- Mission. Trotz großer Schwierigkeiten, namentlich zufolge der kriegerischen Wirren, in denen Ho völlig zerstört wurde und erst von 1876 an wieder langsam aufgebaut werden konnte, hat sich hier im Innern die Mission, ungehindert von den störenden Einflüssen der Küste, frei entwickeln können. Selbst ein Europäer ist aufs höchste überrascht, wenn er nach dem Marsch durch die eintönige Grasebene mitten in der afrikanischen Wildnis eine Stätte betritt, wo Ordnung und Sauberkeit herrscht, wo sich zwischen der Kapelle mit der unter demselben Dache befindlichen Mädchenanstalt, den beiden großen Missionshäusern, der Stationsschule, den verschiedenen Lehrerwohnungen, Werkstätten und Oekonomiegebäuden breite Palmenwege hinziehen, wo der erste Brunnen des Landes, die Plantagen und Gärten von unermüdlichem Fleiß zeugen, wo auf den Schall der Glocke zahlreiche Schüler und Hunderte von Christen sich einstellen, kurz eine Stätte, wo christliche Kultur herrscht. Die Anlage von Ho ist großartig und ließ mich lebhaft an die Klosteränsiedelungen sin alten Germanien denken, auch wenn hier die Mauern fehlen. Welchen Eindruck muß schon das Aeußere einer solchen Stationsanlage auf die Eingeborenen machen! Jeder Kritiker kann in Ho erkennen, daß rechte Missionsarbeit der beste Kulturträger ist. Wie viele Maurer- und Zimmerleute sind bei den Bauten in Ho ausgebildet worden, und wie vorteilhaft unterscheidet sich das Christendorf von den Hütten der Heiden, lind doch sind dies alles nur äußerliche Dinge. Daß auch innerlich an den Menschen durch die Arbeit der Missionen eine Veränderung vor sich gegangen ist, das zeigte sich z. B. im Jahre 1900, als bei einer grauenhaften Ermordung einiger Asanteer in Ho die Christen völlig unbeteiligt waren und in der von der Regierung eingeleiteten Untersuchung der Wahrheit die Ehre gaben; davon habe