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Es waren schöne, aber anstrengende Tage, welche ich in Lame verlebt habe. Ich schied mit der Ueberzeugung, daß die Arbeit mit großer Treue verrichtet war, in Zukunft aber mit stärkeren Kräften betrieben werden muß.
5. Wieder in Keta.
Am Donnerstag, den 21. November, gaben mir die lieben Geschwister Oßwald und Bruder Westermann das Geleit bis zum Ende des schönen, von der Regierung angelegten Strandweges. Der Lehrer zog mit den größeren Kindern noch weiter mit ins englische Gebiet bis nach Adafiann, wo er Heidenpredigt halten wollte. Ein Geschenk für eine Reismahlzeit half den Buben über den Abschiedsschmerz hinweg. Kurz vor Sonnenuntergang erreichte ich Keta. Selbst zu dieser Tageszeit hatte ich von dem Temperaturunterschied auf unsern beiden Küstenstationen sofort den allerlebhaftesten Eindruck. In Lome ist bei der köstlicheil Brise die Hitze viel erträglicher.
Mein erster Tag in Keta war durch den Besuch des Diakonissenhanses vollständig ausgefüllt. Auf diesen Besuch hatte ich mich ganz besonders gefreut, und ich kam mit nicht geringen Erwartungen. Indessen übertrafen die Leistungen meine Hoffnungen bei weitem. Um die ganze Tagesordnung kennen zu lernen, ging ich schon früh um sieben Uhr vom Awe- domehans ins Diakomsfenhaus hinüber. Die schon seit 1889 in Keta tätige Hausmutter, Schwester Hedwig Rohns, sowie Schwester Anna Jversen führten mich in ein Nebengebäude, welches ein großes Schulzimmer und die Schlafstütte der Hauskinder enthält. Für diese Hauskinder hielt Schwester Hedwig Morgenandacht mit Gesang unter Harmoninmbegleitung und einer ganz'kurzen Katechese im Anschluß an Johannes 3, 16. Unterdessen hatte Schwester Minna Huchthansen oben aus der Veranda den Kaffeetisch bereitet. Das Wort: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen" gewinnt in Afrika eine ganz besondere Bedeutung. Gilt doch schon bei Bewältigung des ersten Frühstücks das Wort: „Von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß!" Pünktlich um acht Uhr begann die gleichfalls von Schwester Hedwig geleitete Andacht für alle Schülerinnen der Mädchenschule', die in drei Klassen mit zusammen fünf Abteilungen unterrichtet werden. In der Unterstufe, welche Schwester Anna Jversen mit der hohen Wissenschaft bekannt macht, wurde der Anfang gemacht. Schwester Anna schrieb kurze Sätzchen an die Tafel, wie inaina Is lnvs ins inalla, d. h. „Ist die Groß-